US-Verteidigungsstrategie
Bush wirbt bei Russland für Raketenabwehr

Vor seiner Rede zur Neuausrichtung der US-Verteidigungsstrategie hat Präsident George W. Bush intensiv für seine kontroversen Vorschläge geworben.

afp WASHINGTON. Bush sicherte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu, das strategische Gleichgewicht nicht ohne Rücksprache zu verändern, wie das russische Präsidialamt am Dienstag erklärte. Zuvor hatte Bush bereits mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und anderen europäischen Staats- und Regierungschefs gesprochen. Der US-Präsident will einen umfassenden Raketenschild errichten, auch wenn dies gegen den ABM-Vertrag mit Moskau verstößt. Eine öffentliche Aufkündigung des Abkommens war in der Rede am Dienstag nach Angaben aus US-Regierungskreisen nicht vorgesehen.

Laut den Angaben aus Moskau sagte Bush seinem russischen Kollegen am Telefon, dass er keinen Alleingang plane. Putin habe geantwortet, er sei bei der Suche nach Antworten auf neue Bedrohungen zur Kooperation bereit. Dabei dürften die Verträge, die seit 30 Jahren das strategische Gleichgewicht zwischen Russland und den USA garantierten, jedoch nicht verletzt werden. US-Regierungssprecher Ari Fleischer sagte, das Telefongespräch sei Teil von Bushs Plan, wichtige Nationen zu seinen Raketenabwehrplänen zu konsultieren. Der US-Präsident "ist interessiert daran, was die Russen denken", unterstrich Fleischer.

Bush warb auch bei den europäischen Verbündeten für seine neue Verteidigungsstrategie, die den Schwerpunkt von der atomaren Abschreckung zur Raketenabwehr verlagert. Er telefonierte am Montag jeweils zehn Minuten mit Schröder, NATO-Generalsekretär George Robertson, dem französischen Präsidenten Jacques Chirac und den Premierministern von Großbritannien und Kanada, Tony Blair und Jean Chretien. Laut der "New York Times" sollten der stellvertretende Außenminister Richard Armitage und Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ab kommender Woche die Runde durch die europäischen Hauptstädte machen.

Bei seiner Ansprache in der National Defense University in Washington wollte der US-Präsident nach Angaben aus Regierungskreisen argumentieren, das ausschließlich auf Atomwaffen beruhende Konzept der Abschreckung sei überholt. Heutzutage bedrohten hauptsächlich Terroristen oder kleinere Staaten wie Nordkorea mit Massenvernichtungswaffen den Weltfrieden. Die USA müssten ihre Handlungsfähigkeit bewahren, anstatt erpressbar zu werden. Der ABM-Vertrag von 1972, der den Aufbau nationaler Raketenabwehrsysteme verbietet, gehöre in eine längst vergangene Welt.

Bush tendiere zu einem mehrdimensionalen Raketenschild, der nicht nur das Staatsgebiet der USA, sondern auch US-Truppen im Ausland und verbündete Länder schützen könne, sagte der US-Vertreter. Zu Kosten und Zeitplan werde er sich in seiner Rede nicht äußern. Kritiker fürchten, dass die US-Pläne ein neues weltweites Wettrüsten auslösen könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%