US-Vorwahl in New Hampshire
Kommentar: Die Frauen retten Hillary Clinton

Die Wähler in New Hampshire haben erneut ihre unabhängige Haltung bewiesen: Als alle von ihnen erwarteten, Hillary Clinton den Todesstoß zu versetzen und Barack Obama zum neuen Star der Demokraten zu krönen, taten sie das Gegenteil. Gewann die harte Lady mit ein paar Tränen die Herzen der Frauen zurück? Bis zum Super Tuesday am 5. Februar bleibt es extrem spannend.

Bei Prognosen über den Verlauf des US-Wahlkampfes kann man einfach nie vorsichtig genug sein. Alle Umfragen hatten in den letzten Tagen einen klaren Sieg von Barack Obama über Hillary Clinton vorhergesagt. Und bis jetzt gibt es auch keine Hinweise, dass die Demoskopen kollektiv versagt haben. Vielmehr muss in den letzten 24 Stunden in New Hampshire etwas passiert sein, was die Haltung der Wähler über die demokratischen Front Runner plötzlich völlig gedreht hat.

Nun gut, die ersten Analysen zeigen an, dass Clinton vor allem bei ihrer traditionellen Klientel gut abgeschnitten hat, den gewerkschaftsnahen Wählern, die sich vor der heraufziehenden Wirtschaftskrise fürchten und offenbar mit Obama keine Experimente eingehen wollen. Das ist ein Trend, der es mit der wachsenden Gewissheit über die kommende Rezession dem jungen Herausforderer schwer machen wird.

Zweitens aber konnte Clinton in New Hampshire verhindern, dass ihr wie zuvor in Iowa die Frauen davonlaufen. Ganz offenbar zeigt ihr neuer Stil Wirkung: weniger dozieren und mehr zuhören, menschliche Züge zeigen. Womöglich war es die eine Situation am Montag nachmittag in dem Coffee Shop in Portsmouth, als ihr plötzlich die Tränen in den Augen standen, die ihr das Herz der Frauen wieder öffnete.

Das reicht sicher nicht aus um die erste Präsidentin der USA zu werden - aber es könnte bei dieser einen knappen Vorwahl in Iowa den Ausschlag gegeben haben. Denn das sollte man nicht vergessen: der Sieg war relativ knapp, Clinton hat nur fünf der zehnt Counties hier gewonnen und Obama nimmt aus New Hampshire ebensoviele Delegierten mit zum Konvent im Herbst wie Clinton. Bis zum Super Tuesday am 5. Februar bleibt es extrem spannend.

Aber dennoch ist Clintons Comeback eine gewaltige Überraschung, mindestens so groß wie es der Sieg von Obama in Iowa vor einer Woche war. Das Rennen der Demokraten ist damit wieder weit offen und entwickelt sich zu einem offenen Zweikampf der politischen Giganten. John Edwards kann einpacken. Aber das interessiert ja wohl ohnehin keinen mehr. Und was machen eigentlich die Republikaner?

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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