US-Vorwahlen
John McCain: Sieg im zweiten Anlauf

Seit Wochen hatte der republikanische Senator John McCain die Nominierung seiner Partei praktisch in der Tasche. Doch erst die Siege in der vergangenen Nacht, das Überschreiten der magischen Grenze von 1191 Delegierten, machen aus McCain einen umfassenden Kandidaten. Jetzt öffnet sich für ihn der Wahlkampfapparat seiner Partei. Das bedeutet Organisation und vielleicht am wichtigsten: Die republikanische Spendenmaschine.

WASHINGTON. McCain hat nach Vorwahlsiegen in den vier US-Bundesstaaten Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont laut einer Auszählung des Senders CNN vom Mittwoch nun 1 195 Delegiertenstimmen auf sich versammelt, vier Stimmen mehr als für die Nominierung benötigt. Sein parteiinterner Konkurrent, der US-Senator Mike Huckabee, gab seine Kandidatur auf.

Für den 71-jährigen McCain wird damit nahezu ein Wunder wahr. Denn schon einmal hatte er die Spitzenposition seiner Partei angestrebt – und war am Ende bitter gescheitert. McCain verlor in einer phasenweise schmutzig geführten Auseinandersetzung gegen George W. Bush im Jahr 2000. Und damals hätten wohl nicht viele in der Partei darauf gewettet, dass McCain noch einmal einen Anlauf nehmen würde – und diesen sogar gewinnen könnte. Tatsächlich sah es genau danach im vergangenen Jahr auch nicht aus. Noch im Sommer war John McCains Kampagne finanziell bankrott, seine Kandidatur de facto am Ende. Doch das „Comeback-Kid“ McCain drehte mit einer außergewöhnlichen Kraftanstrengung, einem Wahlkampf an der Basis und seiner eigenständigen Agenda den Trend um.

Vor dieser Leistung verneigte sich gestern Abend schließlich auch Mike Huckabee, der lange im Rennen geblieben war und nun offiziell das Ende seiner Kampagne erklärte. Huckabee sagte, dass McCain und er wohl am anständigsten von allen miteinander umgegangen seien. Tatsächlich verbindet die beiden Kandidaten ein wichtiger Wesenszug: sie haben jeweils ihre Kampagnen mit einem vergleichsweise großen Maß an Ehrlichkeit geführt, nicht mit Ideologie.

Diese Eigenschaft ist es, aus der McCain auch die Hoffnung ableitet, gegen den demokratischen Kandidaten gewinnen zu können. Es war kein Zufall, dass sich McCain gestern vor seinen Anhängern in Texas auch bei den Stimmen der „unabhängigen Demokraten“ bedankte: Aus deren Potenzial will McCain auch im November schöpfen, um seinem künftigen Gegner zu schlagen.

Die republikanische Partei wird sich nun in den nächsten Wochen hinter ihrem Spitzenkandidaten versammeln – auch wenn dies manche nur widerwillig tun. Doch haben die Republikaner auch den Ruf, zu einem bestimmten Zeitpunkt die internen Konflikte beiseite zu schieben und sich zu einigen. Die Demokraten sollten sich deshalb nicht darauf verlassen, dass er nicht überall geliebte McCain die Partei spalten werde. Wenn es um die Frage von Sieg oder Niederlage geht wird der Streit verschwinden.

Da bei den Demokraten das Rennen auch weiterhin offen bleibt, hat McCain damit zunächst einen Vorteil. Er kann sich inhaltlich und organisatorisch für die große Auseinandersetzung im kommenden Herbst positionieren – während sich die Demokraten noch untereinander beharken. Allerdings hat McCain in Bezug auf seine Organisation dort auch noch erheblichen Nachholdbedarf. Denn sein Mini-Stab muss nun zu einer schlagkräftigen republikanischen Kampagne aufgebaut werden.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%