US-Vorwahlen
Kommentar: Hillary Clintons Sieg bleibt hohl

Mit ihrem klaren Sieg in Ohio und dem Teilerfolg in Texas hat Hillary Clinton die Serie von Barack Obama gebrochen. Und so wird die ehemalige First Lady weiter um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten kämpfen. Doch das Rennen gegen ihren Konkurrenten kann sie kaum noch gewinnen. Ihre letzte Hoffnung sind die Superdelegierten.

Mit ihrem klaren Sieg in Ohio hat Hillary Clinton die Serie von Barack Obama gebrochen. Aber das Rennen in Texas ist bislang unentschieden und auch die kleinen Staaten teilten die beiden Demokraten unter sich auf. Clinton kümmert sich nicht weiter um das Verdikt ihres Gatten Bill, sie müsse Ohio und Texas gewinnen, sondern kämpft (vorerst) weiter. Dabei hat Clinton rechnerisch keine Chance mehr, Obama bei den Delegiertenstimmen zu überholen - und kann nur noch mit Hilfe der Superdelegierten die Nominerung der Demokraten erringen.

Bill Clinton selbst hatte die Latte vor ein paar Tagen voreilig sehr hoch gelegt: entweder ein Sieg in Ohio und Texas - oder sie gewinnt gar nicht, hatte er die Wähler zu motivieren versucht. Der erste Teil der Rechnung ging auf, in Ohio gewann Hillary Clinton mit 56 Prozent wie erwartet deutlich. Die ärmeren Wähler kehrten zu ihr zurück, und auch in der mittleren Altersschicht konnte die Ex-First-Lady punkten. Zwar gaben die meisten Demokraten in Ohio und Texas Barack Obama die größere Chance, gegen John McCain zu siegen - doch Hillary Clinton trauten sie die Rolle des „Commander in Chief“ eher zu. Und auch die Sorge vor einer Rezession schlägt immer stärker durch.

Doch in Texas, wo Clinton vor wenigen Wochen noch zweistellig geführt hatte, werden sich die beiden Demokraten wohl den Sieg teilen müssen. Clinton gewann die Primary hauchdünn mit 50 zu 48 Prozent. Doch anschließend veranstalten die Texaner auch noch 6000 der berüchtigten Parteiversammlungen in Feuerwehrhallen und Schulen, die so genannten Caucuses. Hier werden immerhin ein Drittel der Delegierten vergeben - und hier hatte Obama bislang immer einen Vorteil - und auch in Texas liegt er nach den ersten Ergebnissen vorne.

Auch die beiden kleinen Staaten Rhode Island (für Clinton) und Vermont (für Obama) wurden aufgeteilt. Im Ergebnis wird Clinton beim entscheidenden Rennen um die Delegierten den Vorsprung von Barack Obama nur um sehr wenige Stimmen verkürzen können. Und das hatten die Experten auch schon vor diesem „zweiten Super Tuesday“ ausgerechnet: Die Mehrheit der Delegierten kann Hillary Clinton jetzt nur noch gewinnen, wenn sie jede einzelne der noch ausstehenden Vorwahlen mit mehr als 60 Prozent gewinnt. Darunter sind aber auch solche Obama-Hochburgen wie Mississippi – und daher wird Barack Obama mit einem Vorsprung bei den Delegierten in den Parteikonvent Ende August einziehen.

Zwar deutet alles darauf hin, dass Hillary Clinton bis zuletzt kämpfen und auf die Superdelegierten setzen wird, die Vertreter des Parteiestablishments, die immerhin ein Fünftel der Delegierten stellen und damit das Zünglein an der Waage bilden. Doch auch auf die Superdelegierten kann Clinton schon lange nicht mehr setzen. Viele sind zuletzt zum charismatischen Obama übergelaufen – und der Druck der Partei auf Clinton wird wachsen, das Feld zu räumen. Denn bei den eigentlichen Gegnern, den Republikanern, steht mit John McCain der Kandidat jetzt endgültig fest.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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