US-Vorwahlkampf
Der Tag der Grashüpfer

Nicht Politik und Programme entscheiden am Samstag die Vorwahl in South Carolina, sondern Rasse und Geschlecht. Aber darüber reden weder Barack Obama noch Hillary Clinton gern. Denn sie wollen Wähler aus allen Gruppen, und sich nicht auf eine Klientel festlegen.

COLUMBIA. Der ehrenwerte Reverend Charles B. Jackson braucht neun Sekunden, um aus dem Wahlkampf ins Paradies zu finden. „Wir haben uns wie die Grashüpfer gefühlt, wie Kundschafter Moses’ vor den Toren des Landes, in dem Milch und Honig fließen: das Ziel vor Augen, aber zu schwach, die letzte Hürde zu überwinden.“

Doch nun, am kommenden Samstag, komme die historische Chance, den großen Sprung zu machen: „Wir Afroamerikaner ausgerechnet hier in South Carolina sind mächtig, wir bestimmen den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika“, donnert Pastor Jackson von der Kanzel der Zion Baptist Church in Columbia, der Hauptstadt des Südstaats an der Atlantikküste.

Und wehe, auch nur ein einziges Gemeindemitglied verpasse ihm den Wahltermin ... – „Amen“.

Ausgerechnet im stockkonservativen South Carolina, in dem noch die Flagge der Konföderierten als Symbol der Sklavenhalter vor dem Kapitol weht, das seit 1960 mit nur einer Ausnahme Republikaner ins Weiße Haus wählte, haben die Schwarzen die Chance, einen der „ihren“ auf den Weg ins Präsidentenamt zu schicken. Sie können entscheiden zwischen Barack Obama, dem „ersten schwarzen Präsidenten“, und Hillary Clinton, der „ersten Präsidentin Amerikas“, deren Mann Bill noch immer zu den Helden der Afroamerikaner gehört.

Selbst Senator John Edwards, der dritte Kandidat, der aus South Carolina stammt, hat als notorischer Rächer der Entrechteten viele Fans.

„Ein Schwarzer, eine Frau, ein Sohn unseres Staates – ganz egal wen ihr wählt, aber nutzt diese Gelegenheit“, beschwört Reverend Jackson seine Gemeinde. Parteinahme vermeidet er jedoch.

Die Vorwahl in South Carolina ist – wie der ganze Auswahlprozess der Demokraten – ein Kampf zwischen Hautfarbe und Geschlecht. Oder, wie die Amerikaner es ohne die deutsche politische Korrektheit sagen: ein Duell zwischen „race and sex“.

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