US-Wahl
Kommentar: Obamas Comeback

Vielleicht wird dieser 6. Mai 2008 am Ende doch als jener Wahltag in die Geschichte eingehen, an dem die Weichen unwiderruflich für Barack Obama gestellt wurden. Der Senator aus Illinois feierte sein „Comeback“ als jener, der er schon einmal war.

Vielleicht wird dieser 6. Mai 2008 am Ende doch als jener Wahltag in die Geschichte eingehen, an dem die Weichen unwiderruflich für Barack Obama gestellt wurden. Denn nicht nur verlor Obama lediglich knapp in Indiana und gewann ziemlich komfortabel in North Carolina. Vor allem aber feierte der Senator aus Illinois ein „Comeback“ als jener, der er schon einmal war: Als Kandidat, der über die Grenzen hinwegreicht. Zum ersten Mal wieder konnte Obama bei jener Wählergruppe punkten, die Hillary Clinton gepachtet zu haben schien, den weißen Arbeitern. Knapp 40 Prozent von ihnen gaben in Indiana Obama ihre Stimme.

Für den afro-amerikanischen Politiker kommt das gute Abschneiden in den beiden Bundesstaaten zu einem eminent wichtigen Zeitpunkt. Denn nur durch diese Erfolge ist es ihm möglich, die Debatte über seine Nähe zu seinem Pastor Jeremiah Wright hinter sich zu lassen. Nur so wird sich die öffentliche Diskussion wieder in eine andere Richtung drehen: Weg von seinen möglichen Schwächen, hin zu seinen Stärken, seiner Fähigkeit, auch einen Sturm auszuhalten – und vor allem aber hin zu Hillary Clinton.

Denn insbesondere Hillary hätte an diesem 6. Mai ein starkes Signal benötigt, um ihren Schwung aus den Wahlen in Pennsylvania nicht nur zu erhalten, sondern zu vergrößern. Die Senatorin ist es, die über 100 Delegierte zurück liegt und die nach nahezu allen Regeln der Mathematik das Rennen um die gewählten Wahlmänner nicht mehr gewinnen kann. Was Hillary braucht ist ein starkes Argument, warum sie dennoch die bessere Kandidatin ist und warum die Super-Delegierten die Mehrheit der gewählten Delegierten überstimmen soll. Der gestrige Abend jedenfalls hat Hillary hier keinen Fortschritt verschafft. Unterm Strich bleibt: Die Ex-First Lady ist eine formidable Kandidaten – aber der Trend läuft zu Gunsten von Obama.

Dass die Clinton-Kampagne in dieser Lage nun erneut die Frage nach dem Umgang mit Florida und Michigan ins Spiel bringt – Staaten, in denen sie wahrscheinlich gut abgeschnitten hätte - war dabei zu erwarten. Denn am Ende doch noch Delegierte aus diesen beiden Staaten einzusammeln ist ein letzter Strohhalm, an den sie sich klammern kann.

Zur Erinnerung: Florida und Michigan wurden vom demokratischen Parteikomitee dafür bestraft, dass sie ihre Wahltermine nach vorne, in den Januar hinein, verschoben hatten. Deshalb verloren sie alle ihre Delegierten, deshalb fanden die Wahlen dort praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Wahlkampf der Kandidaten statt. Dennoch hatte Hillary ihren Namen in beiden Staaten auf die Wahlzettel schreiben lassen – Obama lediglich in Florida. Und schon seit längerem – jetzt allerdings mehr denn je – macht sie geltend, dass sie die Gewinnerin sei und dass ihr die Delegierten zustünden.

Die Obama-Kampagne ruft dagegen „Foul“ und verlangt, dass man nach den Regeln spielt und die Delegierten außen vor lässt – ihnen zumindest aber keine entscheidende Rolle überträgt. Sollte aber nun tatsächlich der Umgang mit Florida und Michigan zum nächsten Schlachtfeld werden droht eine recht unerfreuliche Auseinadersetzung. Denn das Thema ist emotional höchst aufgeladen und hat damit das Potenzial, nicht nur die Kandidaten sondern auch die Demokratische Partei zu beschädigen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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