US-Wahl
McCains letzter Tango

No Country for Old Men: Der Wahlabend wurde für John McCain eine Beerdigung erster Klasse. Seine Aufholjagd war gescheitert, er konnte sich nicht rechtzeitig genug aus der Zwangsjacke der republikanischen Partei befreien. Aus dem Prisoner of War (POW) wurde ein POGOP, ein Gefangener der verstaubten Grand Old Party. McCain und seine Republikaner scheiterten an der großen Herausforderung des Tages: der Finanzkrise.

PHOENIX. Das nennen die Republikaner eine "Victory Election Night": Lächelnd und verzagt als erwarte ihn da oben das Schafott, erklimmt der alte Mann müde und starren Blicks die ausgeleuchtete Bühne auf dem Rasen des Arizona Biltmore Hotels. Kurz zuvor, um 20.10 Uhr Ortszeit, haben die Sender es herausgeschrieen: "Obama zum Präsidenten gewählt!"

Man meint die Stufen unter seinen Schuhen wehmütig knarzen zu hören. Nach allen Seiten noch einmal gütig sein kleines, wächsernes Lächeln streuend, schiebt er sich wie ferngesteuert in den Mittelpunkt der Enttäuschung. Da pflanzt er sich ein wenig auf, gewiss doch: jubelumtost, und ist doch nur ein einsamer Loser vor dem Herrn. Sein Lächeln steigt wie ein Seifenblase hinaus ins trostlose Ungefähr des glasklaren Sternenhimmels über Phoenix, wo heute abend nicht einmal der Allmächtige ein bisschen Trost im Angebot hält.

Doch John McCain überwindet sein Verzagen und seinen Absturz auf beeindruckende Art. Er findet große Worte, so große, dass er von nicht wenigen seiner Fans hier im Wahlkampf-Hauptquartier ausgebuht wird: "Das war eine historische Wahl, deren Bedeutung für die afro-amerikanischen Bürger der USA ich keineswegs verkenne. Wir alle haben einen langen Weg der Ungerechtigkeiten gegenüber diesen Bürgern hinter uns gebracht." Neben ihm hat sich lächelnd Sarah Palin im eleganten, lilablauen Kleid aufgebaut, daneben ihr Mann und auf der anderen Seite seine wie immer abwesend wirkende Gattin.

Überdimensional spannt sich der Star-Sprangled Banner, die amerikanische Flagge hinter dem so eklatant gescheiterten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Die Dunkelheit verbirgt jetzt den Gipfel des Squaw Peak Berges, der zusammen mit den riesigen Kakteen das uramerikanische Sinnbild des Westens, seiner Grenzenlosigkeit und des unbezwingbaren Aufbruchs abgibt.

Doch heute Abend will diese mythische Kulisse ganz und gar nicht ins Geschehen passen. Kein Applaus regt sich, als McCain erneut über sich hinauswächst und sagt. "Die Leute haben eindeutig gesprochen und mein bisheriger Gegner ist jetzt auch mein Präsident. Alle, die mich gewählt haben, fordere ich auf, Obama zu helfen: Come Together."

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