US-Wahl
McCains Schlachtplan

Alles dreht sich dieser Tage um Hillary Clinton und Barack Obama. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain droht im Demokraten-Duell unterzugehen. Wenn sich die US-Zeitungen schon mit ihm befassen, dann sind es eher Enthüllungsgeschichten. McCain ist sich der Gefahr bewusst und hat einen klaren Schlachtplan.

DÜSSELDORF. Auch John McCain fuhr einen Sieg ein. 73 Prozent erhielt der Kriegsveteran bei der Vorwahl der Republikaner in Pennsylvania. Angesichts der Tatsache, dass der Senator aus Arizona der einzige Kandidat von Bedeutung auf dem Wahlzettel war kein tolles Ergebnis – aber McCain steht längst als Kandidat der Konservativen für die Nachfolge von George W. Bush fest. Während sich die Demokraten gegenseitig das Wasser abgraben kann er sich auf die Wahl am 4. November vorbereiten – muss aber aufpassen, dass er von den Medien überhaupt wahrgenommen wird.

McCain ist sich der Gefahr bewusst. Nach einer publicity-trächtigen Reise durch die Stationen seiner schillernden Biographie stärkte der 71-jährige mit Stippvisiten im Mittleren Osten und im Irak sein außenpolitisches Profil. Jetzt bereist er Amerikas „vergessene Orte“. Am Tag der Wahl in Pennsylvania versprach er den Bürgern in Youngstown, Ohio, als Präsident dafür zu sorgen „dass keine gesundheitsschädlichen Spielzeuge aus China mehr ins Land kommen“. Markige Worte, die von den Medien jedoch weitgehend ignoriert werden.

Wenn sich die US-Zeitungen schon mit dem Kandidaten der Republikaner befassen, dann sind es eher Enthüllungsgeschichten: sein hitzköpfiges Temperament mache ihn als Commander in Chief ungeeignet, er habe vor Jahren ein Verhältnis mit einer jungen Telekom-Lobbyistin gehabt, pflege seit langem einen engen Umgang mit einem Immobilienunternehmer und umgebe sich auch im aktuellen Beraterstab mit Industrievertretern. Vor allem die New York Times tut sich mit solchen vermeintlichen Skandalgeschichten hervor, die McCain bei den Stammwählern aber eher helfen als schaden können.

Allerdings tut sich McCain, in gesellschaftspolitischen Fragen ein Außenseiter in der eigenen Partei, erkennbar schwer, einen Kurs zu finden – der sich deutlich genug von dem unpopulären Amtsinhaber George W. Bush abhebt, für die konservativen Flügel der eigenen Partei akzeptabel sind und dann auch noch für unabhängige Wähler in der Mitte attraktiv ist.

Zuletzt hatte sich McCain vor allem auf Barack Obama als wahrscheinlichen Gegner eingeschossen, jetzt muss er sich auf die Möglichkeit einstellen, es am 4. November doch mit Hillary Clinton zu tun zu bekommen. Inzwischen greift er beide an: „Clinton und Obama haben den Bezug zur Realität verloren, sie verstehen nichts von Amerikas Wirtschaft.“

Besonders auffällig sind McCains Wendungen in der Wirtschaftspolitik. Hatte er sich früher gegen Bushs Steuersenkungen ausgesprochen votiert er nun für ihre Fortsetzung. Und hatte er bis vor wenigen Wochen aktiv für den Freihandel und gegen weitere Konjunktur- und Rettungspakete für die Opfer der Subprime-Krise gewettert, ist er auch hier auf einen populistischeren Kurs eingeschwenkt. „Der Überlebenskampf dieser Gemeinde und anderer in der gleichen Lage spielt eine Rolle wenn wir über Amerikas Wirtschaft reden – das ist nicht nur ein Problem, das ist eine Priorität“, sagte er in der Stahlstadt Youngstown. Zwar steht er gegen jede Form von Protektionismus, aber das sagt er bei diesen Auftritten nicht so laut.

Die Vorbehalte der US-Wähler gegen einen weiteren Republikaner im Weißen Haus sind nach wie vor groß, doch bei der Frage, ob sie am 4. November eher McCain oder einen Demokraten wählen liegt der einstige Außenseiter ziemlich gut: Nach letzten Umfragen würde er knapp gegen Obama verlieren, gegen Clinton sogar gewinnen. Aber bis zur Präsidentschaftswahl sind es ja noch mehr als sechs Monate.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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