US-Wahl
Michelle Obama: Die Chefin im Weißen Haus

Als Schwarze aus dem ärmlichen Süden Chicagos bis ins Weiße Haus: Michelle Obama hat einen unglaublichen Aufstieg hinter sich. Ob sie sich mit der eher gefühligen Rolle als First Lady abfinden wird, ist zu bezweifeln. Sie ist eine Freundin der klaren Worte.

NEW YORK. Die härteste Prüfung hat Barack Obama schon lange hinter sich. Und seine Prüferin hat ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt: "Dass er mit mir klarkommt, ist einer der Gründe, warum er das Zeug zum Präsidenten hat", sagte Michelle Obama in einem Interview über ihren Ehemann. Das war im Mai 2007.

Jetzt, 18 Monate später, stehen die beiden vor dem Tor zum Weißen Haus. Im Januar bekommt Amerika den ersten schwarzen Präsidenten - und die erste schwarze First Lady. Ein Power-Paar, hochintelligent, an Elite-Unis ausgebildet, zwei Kinder im Haus und voller Idealismus. Zwei Menschen, die es aus einfachen Verhältnissen bis ganz nach oben geschafft haben. Diese Erfolgsgeschichte, die aus dem Bilderbuch des amerikanischen Traums entnommen zu sein scheint, ist zu einem großen Teil Michelle Obamas Werk. Und als First Lady wird sie sich auch in Zukunft wohl nicht zurückhalten.

Michelle Obama, 44, übernimmt ein Amt, für das es nirgendwo geschriebene Regeln gibt, das aber nicht minder mit Erwartungen beladen ist als das des Präsidenten selbst. Sozial engagiert muss die Erste Frau im Staate sein und gleichzeitig die Familie hochhalten, sie muss ihrem Mann den Rücken decken und beim Staatsempfang eine gute Figur abgeben. Und die ganze Nation will sich an ihr wärmen können wie an einem Kachelofen.

Das mit der Wärme war einmal ein Problem im Wahlkampf - und könnte wieder eines werden, wenn Michelle Obama erstmal First Lady geworden ist. Sie ist vorlaut, unbequem, bei vielen zudem als elitär und machtbewusst verschrien. Was der politische Gegner aber am besten auszunutzen wusste, war die angebliche Bitterkeit, die in ihr steckt. Bitterkeit über die Verhältnisse im geliebten Amerika.

"Wütend" nannten sie Michelle Obama, die auf ihrem Lebensweg oft unter dem alltäglichen Rassismus zu leiden hatte. In Harvard etwa, wo die Aufsteigerin aus bitterarmen Verhältnissen aus dem Süden Chicagos Jura studierte, musste sie erleben, dass eine weiße Mitstudentin von deren Mutter aus dem gemeinsamen Zimmer geholt wurde. Den Schwarzen könne man schließlich nicht trauen.

Michelle, damals Anfang 20, verarbeitete die Erlebnisse auf dem Campus in ihrer Abschlussarbeit über schwarze Studenten in Harvard - woraus die republikanischen Büchsenspanner gerne zitierten und ihr vorwarfen, sie spiele die Rassenkarte. Der konservative Sender Fox etwa nannte sie "Baby Mama" - und meinte junge, unverheiratete und vorlaute schwarze Mütter.

Schließlich konnte John McCains Wahlkampfteam die Korken knallen lassen, als Michelle Obama im Februar jenen folgenschweren Satz in die Fernsehkameras sagte: "Zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben bin ich stolz auf mein Land." Das wirkte undankbar und verbittert - im notorisch optimistischen Amerika kommt so etwas schlecht an. Die republikanische Patriotismus-Polizei war folglich schnell zur Stelle. Michelle Obama hat seinerzeit auf die Welle der Empörung reagiert. Fortan gelobte sie täglich die Liebe zu ihrem Land und besuchte regelmäßig die Familien von Soldaten. Das, sagt sie, werde sie nun auch als First Lady oft tun.

Überhaupt war Michelle Obama in den vergangenen Wochen ziemlich weichgespült. Man sah die fast 1,80 Meter große, stets elegant gekleidete Frau winken und lächeln und Kochrezepte besprechen. Offenkundig wollte sie nicht auch noch in denselben Fettnapf treten wie seinerzeit Hillary Clinton, die über "Kekse backende Hausfrauen" gespottet hatte.

Michelle singt auch nur noch Loblieder auf Barack, den "guten Mann, meinen besten Freund und phänomenalen Vater". Nichts mehr von den Witzen von Anfang des Jahres über den liebenswürdigen Ehemann, der seine Socken rumliegen lasse, die Butter nicht in den Kühlschrank zurückräume und morgens aus dem Mund rieche. Solche Plaudereien nämlich kamen auch nicht gut an. Damals stand der eher steril wirkende Lächelautomat Cindy McCain höher im Kurs.

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