US-Wahl
Obama pausiert wegen kranker Großmutter

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama unterbricht weniger als drei Wochen vor der Wahl den Wahlkampf. Grund ist seine schwerkranke Großmutter. Er sagte eine Reihe von Wahlkampfveranstaltungen ab, um sie in Hawaii zu besuchen.

HB WEST PALM BEACH/WASHINGTON. Obama will am Samstag in die USA zurückkehren. Im Wahlkampf spricht der Präsidentschaftsanwärter oft von seiner Großmutter, die ihn gemeinsam mit seinem Großvater und seiner Mutter in Hawaii erzog und die am Sonntag 86 Jahre alt wird. Sie arbeitete im zweiten Weltkrieg in einer Fabrik für Bombenflugzeuge und stieg danach in einer Bank von einer Sekretärin zu einer Vizepräsidentin auf. Nach Angaben eines Obama-Sprechers hat sich ihr Gesundheitszustand in den vergangenen Tagen gravierend verschlechtert.

Unterdessen baute Obama seinen Vorsprung vor dem republikanischen Kandidaten John McCain weiter aus. Wie aus einer Dienstag veröffentlichten Reuters/C-Span/Zogby-Umfrage hervorgeht, führt Obama mittlerweile mit acht Punkten bei 50 Prozent vor McCain mit 42 Prozent. Am Montag hatte der Vorsprung Obamas sechs Punkte betragen.

"Das war ein weiterer großer Tag für Obama", sagte Meinungsforscher John Zogby. Gleichzeitig warnte er vor voreiligen Schlüssen. In zwei Wochen könne sich noch einiges ändern. Die jüngsten Umfrage-Ergebnisse kamen kurz nachdem Obama eine Unterbrechung des Wahlkampfes bekanntgegeben hatte.

Die Zustimmung für den Demokraten nahm vor allem bei den parteiunabhängigen Wählern zu, hier liegt er der Erhebung zufolge nun mit 15 Punkten vor McCain. Bei den Frauen baute der Demokrat seine Führung von acht auf 13 Punkte aus. Auch bei den Republikaner-Anhängern machte er Boden gut und kann derzeit auf die Unterstützung von zwölf Prozent dieser Wählergruppe zählen, verglichen mit zuvor neun Prozent. "Vielleicht ist das der Powell-Effekt", sagte Zogby und spielte damit auf den republikanischen Ex-Außenminister Colin Powell an, der Obama am Wochenende den Rücken gestärkt und ihn als eine Figur der Umgestaltung bezeichnet hatte.

Landesweite Umfragen sind in den USA nur ein grobes Maß, weil der Präsident nicht direkt vom Volk, sondern indirekt über Wahlmänner nach getrennten Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten bestimmt wird. Für die insgesamt drei Tage umfassende Erhebung wurden über 1 000 Personen befragt.

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