US-Wahl
Ökonom dämpft Erwartungen an Obama

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat vor überzogenen Erwartungen an einen möglichen US-Präsidenten Barack Obama gewarnt. DIW-Präsident Zimermann hält den demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten zwar in Wirtschaftsfragen für überzeugender als dessen Rivalen John McCain. Doch solten sich die Europäer nicht zu früh freuen: Es werde Überraschungen geben.

DÜSSELDORF. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmerman, glaubt nicht, dass sich die Politik der USA mit einem möglichen Präsidenten Barack Obama grundlegend ändern wird. "Europa und auch Deutschland haben von George W. Bush die Nase voll und will deswegen einen Demokraten, egal wer es denn nun geworden wäre", sagte Zimmermann im DIW-Online-Interview "8 Fragen an", das Handelsblatt.com vorab vorliegt. Allerdings müsse man wissen, dass amerikanische Präsidenten sich sehr stark an den Interessen und den langfristigen Perspektiven des Landes orientierten. "Insofern wird es für Europa noch Überraschungen geben", ist sich der DIW-Chef sicher.

Bedingt durch die Finanzmarktkrise sind die Handlungsmöglichkeiten des künftigen US-Präsidenten nach Ansicht Zimmermanns äußerst begrenzt. Diese werde auch Auswirkungen auf die herausragende Stellung der USA in der Weltwirtschaft haben. Zwar spiele Amerika für Deutschland eine große Rolle, weil die Vereinigten Staaten noch immer der zweitwichtigste Abnehmer von Gütern seien, so Zimmermann. Doch auf der anderen Seite gewönnen die asiatischen Märkte immer mehr an Bedeutung. "Die relative Bedeutung der USA geht in der Weltwirtschaft und damit auch für uns zurück", prognostiziert der DIW-Chef. Er empfiehlt daher der Bundesregierung, sich künftig mit den Wirtschaftspartnern in Europa enger abzustimmen. "Und sie muss sich insbesondere um die Öffnung zu den asiatischen Weltmärkten kümmern."

Zimmermann dämpfte auch die Erwartungen an Obama hinsichtlich seiner innenpolitischen Möglichkeiten. Vor dem Durchschlagen der Finanzkrise auf die Wirtschaft seien seine Spielräume für Veränderungen etwa in den sozialen Sicherungssystemen weit größer gewesen. "Damit wird das wahrscheinlich nichts mehr werden können, denn die Belastungen für den Haushalt sind aufgrund der Finanzkrise so groß geworden, dass kein Präsident große Möglichkeiten hat, außer den Versuch zu machen, die Krise zu beherrschen", analysiert der Wirtschaftsforscher. Vordringliche Aufgabe des neuen US-Präsidenten muss nach Meinung Zimmermanns daher sein, zunächst zu prüfen, ob ein Konjunkturprogramm nötig sei, um die drohende Rezession abzuwenden. "Dann muss er dafür sorgen, dass die in den Finanzsektor investierten Mittel nicht endgültig abfließen, sondern an den Steuerzahler zurückgezahlt werden", sagte er. Die Branche müsse "organisiert aus der Krise heraus geführt werden".

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%