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US-Wahl Volkswirte erwarten an Finanzmärkten kein Erdbeben

Die US-Präsidentenwahl dürfte nach Einschätzung von Volkswirten an den Finanzmärkten kein Erdbeben auslösen.

dpa-afx FRANKFURT. Die US-Präsidentenwahl dürfte nach Einschätzung von Volkswirten an den Finanzmärkten kein Erdbeben auslösen. Die Auswirkungen eines möglichen Präsidentenwechsels der größten Volkswirtschaft der Welt auf die Finanzmärkte sollten insgesamt eher gering bleiben, sagten von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Volkswirte übereinstimmend.

Von einer Wahl von John Kerry zum US-Präsidenten dürften nach Einschätzung von Volkswirten vor allem der Anleihenmarkt profitieren. Eine Wiederwahl von Amtsinhaber George W. Bush am 2. November sollte demnach eher den Aktien nützen. Nachhaltige Folgen für die Finanzmärkte werden von den meisten Experten jedoch nicht erwartet. Bei dem für die Märkte entscheidenden Thema, der Finanzpolitik, sei kein großer Wechsel zu erwarten.

Konsolidierungskurs Bleibt Fraglich

"Die Auswirkungen des Wahlausgangs auf die Finanzmärkte dürften alles in allem überschaubar sein", erwartet Commerzbank Volkswirt Patrick Franke. "Die Aussichten für eine nachhaltige Konsolidierung der Staatsfinanzen sind sowohl unter Bush wie unter Kerry nicht besonders gut."

Auch Bob Doll, Chefstratege bei Merrill Lynch Investment Managers, sieht keine großen Auswirkungen. Sein Argument: Alle Gesetzesvorhaben müssten zunächst durch den Kongress. Da hier die Republikaner in beiden Häusern die Mehrheit haben, dürfte es schwer für Kerry werden seine Vorhaben durchzubringen. Unterschiedliche Machtverhältnisse im Kongress könnten sich laut Franke aber auch positiv auswirken wie dies unter Bill Clinton in den Jahren nach 1994 der Fall gewesen sei.

Aktienmarkt

Für den Aktienmarkt sieht die Commerzbank bei beiden Kandidaten "Licht und Schatten". Der Plan von John Kerry einer teilweisen Rücknahme der steuerlichen Entlastung von Dividenden und Wertzuwächsen, würde wohl eher negativ aufgenommen. Bush plant hingegen diese beizubehalten. Kerry dürfte hingegen die Regulierung der Aktienmärkte verschärfen, erwartet Franke. So dürfte das Handelsministerium zum Beispiel Fusionen und Übernahmen schärfer überwachen.

Eine voraussichtliche Ausgaben-freundlichere Politik von Bush könnte jedoch nach Einschätzung der Dekabank die Aktienmärkte langfristig belasten. Im Zeitablauf dürften die hohen Budgetdefizite die Zinsen ansteigen lassen und damit Investitionen verdrängen. Dies dämpfe das Wachstumspotenzial, sagte Dekabank-Volkswirt Guido Zimmermann. Zudem sei in den letzten vier Jahreszehnten die ökonomische Entwicklung unter demokratischen Präsidenten wider Erwarten besser gewesen als unter republikanischen Präsidenten.

Anleihen

Für die Festverzinslichen dürfte die Ankündigung von Kerry, das Defizit zu reduzieren, günstig sein, schreibt Doll. Zudem dürfte die von Kerry geplante Rücknahme von Steuervergünstigungen für hohe Einkommen positiv für die Festverzinslichen sein. Insbesondere steuerbefreite Kommunalanleihen dürften davon Nutzen ziehen.

Jeder Prozentpunkt einer Erhöhung der Quote des Haushaltsdefizits am Bruttoinlandsprodukt erhöhe die langfristigen Zinsen um rund 0,25 bis 0,35 Prozentpunkte. Bush habe bereits bewiesen, dass er fiskalpolitisch "eher kurzfristig orientiert" sei, sagte Zimmermann. Zweitens seien die Berater Kerrys zum großen Teil diejenigen des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton. Unter Clinton wurden in den USA noch Haushaltsüberschüsse erzielt.

Devisen

Die Folgen für die Devisenmärkte hängen den Experten zufolge neben der Haushalts- auch von der Außenhandelspolitik ab. Da eine spürbare Verbesserung der Haushaltslage auch unter Kerry unwahrscheinlich sei, dürften sich der Commerzbank zufolge von dieser Seite die Auswirkungen in Grenzen halten. Eine protektionistischere Rhetorik von Kerry könnte den Dollar jedoch kurzfristig belasten. Entscheidend sei aber die tatsächliche Handelspolitik.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit der USA von ausländischem Kapital dürfte eine Abwendung von der Freihandelspolitik und eine Dollar-Abwertungspolitik nicht in Frage kommen. Kerry dürfte es laut Dekabank auch nicht gelingen das Leistungsbilanzdefizit, das Damoklesschwert für die Weltwirtschaft zu reduzieren. Die Wirtschaftsdynamik werde hingegen allein von der Notenbank bestimmt. Daher erwartet auch die Dekabank keine großen Auswirkungen auf die Devisenmärkte.

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