US-Wahlen
Die Obama-Verweigerer

Amerika in Obama-Euphorie: Nach seiner Siegesserie in den Bundesstaaten hat der demokratische Präsidentschaftskandidat Umfragen zufolge auch landesweit Hillary Clinton hinter sich gelassen. In direkter Konkurrenz zum republikanischen Favoriten John McCain liegt Obama ebenfalls vorne. Überall, so scheint es, fliegen ihm die Herzen zu. Nur an einer Gruppe beißt er sich weiter die Zähne aus.

cot DÜSSELDORF. Barack Obama ist weiter auf der Überholspur. Mit zwei überragenden Siegen bei den US-Vorwahlen hat der schwarze Präsidentschaftsbewerber seine Rivalin Hillary Clinton in Bedrängnis gebracht. Obama deklassierte die Ex-First-Lady in den Bundesstaaten Wisconsin und Hawaii, in denen er jeweils mit einem klaren zweistelligen Prozentpunkte-Vorsprung gewann.

Kommentatoren in US-Medien sprechen von einem „Schlag“ für Clinton. „Für Clinton wird es jetzt sehr, sehr schwer“, heißt es beim Fernsehsender CNN.

Mit Siegen bei den nächsten Vorwahlen könnte Obama Clinton endgültig aus dem Rennen werfen. Nach Ansicht von Wahlexperten war sein jüngster Erfolg in Wisconsin besonders bemerkenswert, da es Obama in dem Mittelwest-Staat gelang, in das Wählerklientel Clintons einzudringen: Er gewann bei niedrig-verdienenden Arbeitern und lag bei Frauen gleichauf, außerdem gibt es in Wisconsin lediglich eine kleine Schicht schwarzer Wähler. „Obama schaffte einen tiefen Einbruch in die Clintons Wählerbasis“, analysiert die Zeitung „Washington Post“.

Doch es gibt eine Ausnahme. Eine Bevölkerungsgruppe zeigt sich weiter immun gegen die Charmeoffensive Obamas: die Asiaten. Auf Hawaii, wo die asiatischstämmigen Amerikaner rund 60 Prozent der Bevölkerung stellen, fuhr Obama zwar einen haushohen Sieg ein. Allerdings hatte er hier auch einen klaren Heimvorteil. In allen anderen Landesteilen, bemerkt „Time“, beißt er sich an den „Asian-Americans“ die Zähne aus. Keine andere Gruppe hat sich bei den Vorwahlen bislang so vereint hinter Clinton gestellt.

Die „Asian Americans“ sind eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppen im Land. Mehr als elf Millionen Amerikaner asiatischer Abstammung leben in den USA, davon die Hälfte in den drei Bundesstaaten Kalifornien, New York und Hawaii. In Kalifornien stimmten nach einer CNN-Erhebung drei von vier Asiaten für Clinton. In New York waren es demnach 87 Prozent. Von niemanden sonst wird Clinton so viel Loyalität entgegen gebracht.

„Time“ sieht zwei Gründe für diese Obama-Verweigerung: Erstens zählten viele Asianten zu den Selbständigen, die unter Hillarys Ehemann Bill Clinton ihre besten Geschäfte gemacht haben, heißt es. Und zweitens, so die gewagte These, spiele auch ein gewisser Rassismus mit. „Vielen, vor allem älteren Chinesen, käme es einfach nicht in den Sinn, für einen schwarzen Kandidaten zu stimmen“, zitiert „Time“ den Analysten eines Investment-Fonds in New York.

Allerdings dürften die „Asian-Americans“ den Höhenflug Obamas kaum stoppen können. Auch die Hispanics, auf die Clinton in Texas hofft, haben wohl nur noch geringen Einfluss auf den Ausgang der nächsten Vorwahlen. In Kalifornien verhalfen sie Clinton mit zum Sieg. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sie sie auch in Texas wählen werden, meinen Experten.

Nach Angaben von CNN hat Obama nun 1301 Delegierte beim Nominierungs-Parteitag der Demokraten Anfang September hinter sich, Clinton 1239. Um zum Kandidaten gekürt zu werden, sind 2025 Stimmen notwendig. Wahlexperten schließen nicht aus, dass erst im September eine Entscheidung fällt. Falls keiner der beiden Bewerber bis dahin keine Mehrheit der Delegierten hinter sich gebracht hat, geben die 795 „Superdelegierten“ den Ausschlag, die Kraft Parteiamt abstimmen dürfen und nicht an die Meinung der Basis gebunden sind.

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