US-Wahlkampf
Analyse: Flatterhafte Stammwähler

Wahlkampf in den USA ist eine Form der höheren Mathematik, bei der es um mehr geht als um die Addition fester Wählergruppen.

Wahlkampf in den USA ist eine Form der höheren Mathematik, bei der es um mehr geht als um die Addition fester Wählergruppen. Längst gibt es keine starren Schemata mehr: Arbeiter, Latinos und Farbige sind nicht automatisch auf der Seite der Demokraten. Umgekehrt ist die Wirtschaft keinesfalls eine absolut sichere Bank für die Republikaner.

Über den Daumen gepeilt, besteht die Wählerschaft zu jeweils einem Drittel aus registrierten Demokraten beziehungsweise Republikanern und zu einem weiteren Drittel aus Unabhängigen. Beide Parteien versuchen, in einer Maximierungsstrategie möglichst viele Segmente zu erreichen.

Umworben werden Stamm- und Wechselwähler gleichermaßen. Da die Beteiligung bei US-Präsidentschaftswahlen traditionell bei rund 50 Prozent liegt, hat die Mobilisierung der Kernklientel eine Schlüsselbedeutung. Und hier ist Präsident George W. Bush im Vorteil: Er kann zu rund 90 Prozent auf die Unterstützung der Republikaner zählen, während sein demokratischer Herausforderer John Kerry bei den Demokraten nur auf etwa 78 Prozent kommt.

Dies liegt zum einen daran, dass Bush von Meinungsforschern eine höhere Popularität zugebilligt wird als Kerry. Zum andern hat der Präsident jedoch von Anfang an auf die Elektrisierung der Stammwähler gesetzt. Mit seiner Kampagne gegen Abtreibung, Homosexuellenehe und Stammzellenforschung präsentierte er sich sehr früh als Bannerträger der Moral. Dies verschaffte ihm nicht nur die absolute Gefolgschaft der rund 20 Millionen fundamentalen Protestanten. Auch bei den Katholiken, die etwa ein Fünftel der Wählerschaft ausmachen, hat er fast so viele Anhänger wie der katholische Kandidat Kerry.

Mit dieser Ethikstrategie punk-tet Bush nicht nur bei Wählern, die sich vor allem als Christen definieren. Für viele Arbeiter in wahlentscheidenden Bundesstaaten des Mittleren Westens wie Ohio haben soziale Werte höchste Priorität. Dies führt dazu, dass Themen wie Abtreibung oder Homosexuellenehe zum Teil vor ökonomischen Fragen rangieren, selbst wenn in der Region viele von Jobverlusten betroffen sind.

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