US-Wahlkampf
Bushs Nähe kann tödlich sein

Der scheidende US-Präsident George W. Bush wirbt für den Kandidaten der Republikaner. Das kann aber für McCain unangenehm werden. Denn mit Bushs Politik in Verbindung gebracht zu werden, ist derzeit kein gutes Wahlargument.

WASHINGTON. Die Demokraten hatten die Schwachstelle von John McCain schon kurz nach dessen Sieg in den Vorwahlen ausgemacht: Wer den Senator aus Arizona zum Präsidenten wähle, der verhelfe George W. Bush de facto zu einer dritten Amtszeit. Mit dieser Wahlkampfzeile laufen seit Wochen die Anti-McCain-Werbespots der Demokraten. Und tatsächlich reagiert der republikanische Präsidentschaftskandidat auf diese Angriffe. Denn auch der Senator aus Arizona weiß, wie tödlich die Nähe zu Bush wirken kann.

Also geht John McCain auf Abstand zum Amtsinhaber. Auch wenn er ihn gelegentlich noch braucht. Denn George W. Bushs Popularität mag immer neue Tiefstände erreichen - seine Fähigkeit, große Spenden einzusammeln, ist ungebrochen. So versucht Bush die Quadratur des Kreises: McCain helfen, aber dabei möglichst unsichtbar bleiben.

So wie in Arizona am Dienstag oder in Utah gestern Abend. Keine 60 Sekunden zeigten sich deshalb die beiden auf dem Rollfeld von Scottsdale in Arizona, als Bush dort zu einem Fundraising einflog. Erreicht haben sie damit allerdings nur das Gegenteil. Tags darauf stürzten sich die Medien geradezu auf diese bizarre Wahlkampflogistik. McCain und Bush: Gemeinsam, aber doch allein. Oder: Wie vergiftet ist der Schulterschluss mit dem Präsidenten?

Und als sei der Schwund des Vertrauens in den 43. Präsidenten der USA nicht ohnehin schon groß genug, gibt es beinahe täglich noch weitere kritische Anmerkungen. Und die kommen nicht nur vom politischen Gegner. Es sind vor allem Weggefährten von Bush aus der Hochzeit der Irak-Kampagne, die wieder und wieder nachlegen. Die jüngsten Beispiele liefern Douglas und Scott McClellan. Dabei wiegt vor allem Feith' Kritik schwer. Der lässt das "Wall Street Journal" aus seinem Buch ausgerechnet jene Passage veröffentlichen, in der er Bushs Kurswechsel bei den Kriegsgründen als schweren Fehler brandmarkt. Feith, zwischen 2001 und 2005 Unterstaatssekretär im Pentagon und so wie Donald Rumsfeld stets ein "Falke", sagt, dass Bush mit dem Schwenk hin zur Demokratisierung des Iraks und weg von den Massenvernichtungswaffen erst die Sinnfrage ins Rollen gebracht habe. Mit dem Wegfall der "harten Kriegsgründe" habe die Öffentlichkeit zunehmend gefragt, warum überhaupt dieser Krieg geführt werde.

McClellan, seinerzeit Sprecher des Weißen Hauses, berichtet in seinem Buch von der Atmosphäre, die seit 2002 geherrscht hat. Als "permanente Kampagne" beschreibt der in seinem Job eher wenig gesprächige McClellan den Operationszustand des Weißen Hauses. Mit Karl Rove, der seine Umgebung über bestimmte Tatsachen gezielt in die Irre führte, Condoleezza Rice, an der wie Teflon jegliche Schuld abtropfte, und Vizepräsident Dick Cheney, der sämtliche Strippen zog, ohne je Fingerabdrücke zu hinterlassen. Am Ende kommt McClellan zu der ernüchternden Bilanz: "Krieg sollte nur dann geführt werden, wenn er notwendig ist. Und der Krieg im Irak war nicht notwendig."

Die an den Entscheidungen Beteiligten mögen sich mit ihren Einlassungen jetzt ihr Gewissen erleichtern - für John McCain macht es die Dinge nicht eben einfacher. Der Senator war stets als Befürworter des Krieges, wenn auch nicht der Kriegführung aufgetreten. Für ihn dürfte es daher unendlich schwierig werden, im Wahlkampf glaubwürdig zu bleiben, ohne mit in den Sog des Zerfallsprozesses der scheidenden Bush-Regierung gerissen zu werden.

Eine Umfrage bestätigte gerade, dass McCains relativ gute Werte gerade damit zu tun haben: dass er nicht als Bush-Gefolgsmann und als traditioneller Republikaner gilt. Barack Obama ist jedoch fest entschlossen, diese Strategie zu durchkreuzen: "Er hält ein Fundraising mit George Bush hinter verschlossenen Türen ab, keine Kameras, keine Reporter", sagte der designierte demokratische Kandidat. "Und wir wissen alle, warum: weil Senator McCain nicht Hand in Hand mit einem Präsidenten gesehen werden will, dessen gescheiterte Politik er noch einmal vier Jahre fortführen will."

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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