US-Wahlkampf
Clinton und Obama opfern Freihandel

Die Handelspolitik gehörte bislang nicht zu den Wahlkampfschlagern im Rennen um das Weiße Haus. Im Kampf um die entscheidenden Wählerstimmen in Ohio greifen die beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten Clinton und Obama nun immer häufiger zu protektionistischer Rhetorik – und liebäugeln mit einer Abschaffung des Freihandelsabkommens.

NEW YORK. Wenn morgen die demokratischen Parteimitglieder im US-Bundesstaat Ohio ihren Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl im November bestimmen, ist das anders. Hier dreht sich alles um das Kürzel „Nafta", das Freihandelsabkommen „North American Free Trade Agreement“ zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Hillary Clinton und Barack Obama liefern sich mit ihrer populistischen Nafta-Kritik ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die möglicherweise entscheidenden Stimmen im wirtschaftlich gebeutelten Industriestaat Ohio. Beide haben sogar gedroht, dass Handelsabkommen aufzukündigen, falls Mexiko und Kanada nicht zu Nachverhandlungen bereit sein sollten.

Ökonomen laufen angesichts der protektionistischen Rhetorik der beiden Kandidaten kalte Schauer über den Rücken. „Nafta ist zu einem Symbol für alle Widrigkeiten der Globalisierung geworden“, sagt Gary Hufbauer, Handelsexperte am renommierten Peterson Institute for International Economics in Washington. Den Freihandel zum Sündenbock für die Arbeitsplatzverluste in Industrieregionen wie Ohio zu machen, sei eine Verzerrung der Wirklichkeit.

Nach Berechnungen des Peterson Instituts hat Ohio in den vergangenen acht Jahren rund 200 000 Jobs verloren. Allenfalls ein Viertel davon lasse sich auf den internationalen Handel zurückführen. „Auf das Kon-to der Nafta gehen pro Jahr nicht mehr als 6 000 Arbeitsplätze“, rechnet Hufbauer vor. Umgekehrt hätten die USA von Freihandel und Globalisierung sehr stark profitiert. So kommt eine Studie des Peterson Instituts zu dem Ergebnis, dass die Vorteile des verstärkten Warenaustausches wie geringere Preise und mehr Exporte die Nachteile im Verhältnis von 20 zu 1 überwiegen.

Andere Statistiken stützen diese Einschätzungen. Die Industrieproduktion in Ohio ist heute höher als 1994 bei Verabschiedung des Handelsabkommens. Mehr als 200 000 Bürger des Bundesstaates sind bei ausländischen Firmen beschäftigt. Ein Fünftel aller Jobs hängt von der Exportindustrie ab. Die Ausfuhren steigen jährlich fast zweistellig. Nafta-Partner Kanada ist mit einem Anteil von fast 50 Prozent der wichtigste Abnehmer für die Industrieprodukte aus dem „Buckeye“-Staat. US-Präsident George W. Bush erinnerte die demokratischen Bewerber daran, dass Amerika jedes Jahr Waren für 380 Mrd. Dollar an seine Nachbarn Mexiko und Kanada verkauft. „Davon hängt das Schicksal vieler Firmen und Jobs im Land ab“, sagte Bush.

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