US-Wahlkampf
Clinton unter Beschuss

Im Wettstreit um die Präsidentschaftsnominierung der US-Demokraten ist der Ton wieder rauher geworden. Anhänger von Barack Obama warfen dessen Rivalin Hillary Clinton am Montag vor, bei ihren Schilderungen über einen Besuch in Sarajevo während des Bosnien-Kriegs gewaltig übertrieben zu haben. Die New Yorker Senatorin hatte gesagt, sie sei 1996 mit ihrem Mann, dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, unter dem Feuer von Heckenschützen in der bosnischen Hauptstadt gelandet.

HB WASHINGTON. Clinton selbst erklärte später, wer ständig öffentlich reden müsse, dem könnten auch mal Fehler unterlaufen. Ein Sprecher der Clinton-Kampagne sagte, es sei bezeichnend, dass das Obama-Lager alle Energie nur darauf verwende, Negatives über Clinton zu verbreiten, erklärte Howard Wolfson. Obamas Sprecher Tommy Vietor verbreitete derweil eine schriftliche Stellungnahme zu dem Fall. Die aufgebauschten Bemerkungen zu Bosnien reihten sich ein in eine ganze Liste von Äußerungen, in denen Clinton ihre bisherige Rolle in der Innen- und Außenpolitik übertrieben habe.

Laut der Berichterstattung der Nachrichtenagentur AP über den damaligen Besuch der Clintons in Bosnien war das Präsidentenpaar keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Ein Mitreisender sagte der „Washington Post“, er könne sich nicht an einen Beschuss erinnern. Hillary Clinton hatte indessen in einer Wahlkampfrede vor einer Woche erklärt, dass bei ihrer Landung Heckenschützen auf sie gezielt hätten und dass die US-Delegation sich schnell habe in Sicherheit bringen müssen.

Die Debatte verdeutlichte erneut, dass die Wahlkampftöne bei den Demokraten ständig härter werden. So lehnte ein Clinton-Berater es am Montag ab, sich dafür zu entschuldigen, dass er Gouverneur Bill Richardson mit Judas verglichen hat, nachdem dieser seine Unterstützung für Obama bekundet hatte.

Clintons Berater James Carville zog diesen Vergleich in einem Interview der „New York Times“. Er verwies darauf, dass Richardson einst als Energieminister dem Kabinett von Expräsident Bill Clinton angehört habe und sprach von einer besonderen Ironie, dass der Gouverneur von New Mexico seine Unterstützung für Obama in der Karwoche bekanntgegeben habe. Damals habe Judas Jesus für 30 Silberlinge verraten.

In der vergangenen Woche hatte ein Berater Obamas, der ehemalige Luftwaffengeneral Merrill McPeak, Bill Clinton mit Joseph McCarthy verglichen, der Symbolfigur der Kommunistenjagd in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Anlass waren Äußerungen des Expräsidenten, in denen dieser indirekt den Patriotismus Obamas in Zweifel zog.

Die nächste Vorwahl der Demokraten findet erst wieder am 22. April in Pennsylvania statt. Davor wollen Clinton und Obama am 16. April in einer Fernsehdebatte um die Stimmen der Parteimitglieder und Sympathisanten werben. Nach den bisherigen Abstimmungen liegt Obama knapp in Führung. Die Entscheidung fällt vermutlich erst auf dem Nominierungsparteitag im August, wenn auch die von der Partei ernannten „Superdelegierten“ zum Zuge kommen.

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