US-Wahlkampf
Finanzkrise gefährdet Obamas Spendenfluss

Die Finanzkrise macht auch den beiden US-Präsidentschaftskandidaten zu schaffen. Nicht nur, dass sie das erneute Beben völlig unvorbereitet traf, auch finanziell drohen ihnen nicht einkalkulierte Einbußen. Denn ausgerechnet die gebeutelten Wall-Street-Unternehmen stehen auf ihrer Spenderliste ganz oben – bis jetzt.

DÜSSELDORF. Eigentlich redet John McCain lieber über Vaterland, Ehre und Verteidigung, die Finanzwelt ist dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten eher fremd. Und so verkündete er am Montag, als sich unter der Wall Street der Boden auftat, abermals, die US-Wirtschaft sei im Grunde „stark“.

Diese Vorlage ließ sich Barack Obama nicht entgehen: „Wie kann John McCain unsere Wirtschaft in Ordnung bringen, wenn er gar nicht kapiert hat, dass sie kaputt ist?“ Von einem „Realitätsverlust“ der Republikaner sprach das Obama-Lager genüsslich.

Doch die Retourkutsche der Grand Old Party ließ nicht lange auf sich warten. McCain konterte: „Senator Obama hat eine Wirtschaftskrise gesehen und eine politische Gelegenheit gefunden. Meine Freunde, dies ist nicht die Zeit für politischen Opportunismus; dies ist die Zeit für Führung.“

Der verbale Schlagabtausch zeigt die Bedeutung, die die Kandidaten der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch und der von der US-Bundesbank finanzierten, 85 Milliarden US-Dollar teuren Rettung des Versicherungsgiganten AIG, beimessen.

Großbanken haben bei Wahlkampffinanzierung zentrale Rolle

Die Gier der Händler habe Amerikas Wirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben, behaupten die Präsidentschaftskandidaten. Dabei hat sowohl Obama als auch McCain die so gescholtenen Bankiers bis zuletzt hofiert und ihre Wahlkampfmaschinerie mit dem Geld der Wall Street angetrieben. Vor allem Obama sammelte an der Wall Street kräftig Spenden – deutlich mehr als sein republikanischer Widersacher.

Die Großbanken übernehmen in der Wahlkampffinanzierung eine zentrale Rolle. In den Top-Ten der größten Wahlkampfspender sind fast ausschließlich Geldinstitute zu finden. Finanzfirmen und ihre Mitarbeiter überwiesen den Kandidaten seit Beginn des Wahlkampfs mehr als 114 Millionen Dollar. So spendabel war keine andere Branche.

Dabei setzt Obama eigentlich auf die Aussage, seine "Kriegskasse" fülle sich allein durch den Einsatz eines urdemokratischen Heers aus Kleinspendern. Doch weit gefehlt. Sein größter Gönner ist nach Daten des unabhängigen Center for Responsive Politics Goldman Sachs. Wahlkampfkomitees und Mitarbeiter der Bank haben bis dato 619 930 Dollar gespendet. Auch UBS und Citigroup und Morgan Stanley bevorzugten Obama. Überhaupt stand die Wall Street in diesem Wahlkampf bislang mehrheitlich auf Seiten der Demokraten. Obama und seine Parteifreunde konnten bis Ende Juni 52 Prozent aller Spenden der Finanz- und Immobilienbranche einheimsen.

Nur bei Merrill Lynch, erst vor wenigen Tagen für 50 Milliarden Dollar von der Bank of America geschluckt, lag McCain vorn. Goldman engagierte sich bislang mit 208 395 Dollar für McCain und liegt damit auf dem vierten Platz seiner Spenderliste. Auch JP Morgen kommt in den Top-Fünf für beide Kandidaten vor, mit jeweils 442 919 Dollar für Obama und 179 975 für McCain.

Ob die Wall-Street-Unternehmen weiter so großzügig mit ihrem Geld umgehen werden, ist zweifelhaft. Von einem Großspender bekommen beide Kandidaten ohnehin kein Geld mehr. Lehman Brothers, die Obama mit 370 524 und McCain mit 117 500 finanziert hatten, gibt es nicht mehr. Damit fällt Obamas bislang zehntgrößter Spender weg. Bei McCain lagen Lehman Brothers auf Platz 15. Auch dem einst fleißigen Spender Bear Stearns wurde der Geldhahn zugedreht. Mit immerhin 99 300 Dollar hatte die Bank McCains Konto aufgefüllt.

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