US-Wahlkampf
Gore präsentiert sich bei Fernsehdebatte mit Bush offensiv

Gore warf Bush vor, dieser werde als Präsident das Land in die Vergangenheit zurückführen und die Erfolge der demokratischen US-Regierung der vergangenen acht Jahre zunichte machen.

Reuters ST. LOUIS. Bei der dritten und letzten Fernsehdebatte mit seinem republikanischen Herausforderer George W. Bush ist der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Al Gore in der Nacht zum Mittwoch in die Offensive gegangen. Immer wieder kritisierte Gore während der 90-minütigen Debatte an der Washington-Universität von St. Louis in Missouri seinen Kontrahenten Bush wegen dessen Positionen in der Gesundheits- und Bildungspolitik sowie in Steuerfragen. Bush indes präsentierte sich als einen Mann, der in der Lage ist, parteiübergreifend konstruktive Politik zu betreiben. Bush, der Gouverneur des Bundesstaates Texas, liegt nach Meinungsumfragen leicht vor US-Vizepräsident Gore in Führung.

Gore warf Bush vor, dieser werde als Präsident das Land in die Vergangenheit zurückführen und die Erfolge der demokratischen US-Regierung der vergangenen acht Jahre zunichte machen. Wer Steuererleichterungen für Reiche wolle, der solle Bush wählen, sagte Gore. "Wenn Sie aber jemand wollen, der für Sie kämpft und der für Steuererleichterungen für die Mittelschicht kämpft, dann bin ich Ihr Mann", ergänzte er. Bush entgegnete, die Demokraten hätten in den vergangenen acht Jahren nichts zu Stande gebracht, weder bei der Kranken- noch bei der Sozialversicherung. Das müsse sich jetzt ändern. Das Problem, auch in der Gesundheitspolitik, seien die politischen Grabenkämpfe in Washington. Er hingegen wolle Demokraten und Republikaner aufrufen, zusammenzuarbeiten, anstatt mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Der Ton der Debatte war kämpferischer als in den beiden vorangegangenen Begegnungen. Nach der zweiten TV-Debatte hatte sich Gore Kritik ausgesetzt gesehen, Bush habe mit ihm ein zu leichtes Spiel. Anders als bei den beiden vorherigen Treffen mussten sich die Kandidaten in St. Louis diesmal direkt den Fragen des Publikums stellen. Bei den Zuschauern handelte es sich um 140 noch unentschiedene Wähler, die vom Meinungsforschungsinstitut Gallup ausgewählt worden waren. Ebenfalls im Publikum befanden sich die Ehefrauen der beiden Kandidaten, Tipper Gore und Laura Bush.

Die beiden Kandidaten waren in dunkle Anzüge mit roten Krawatten gekleidet. Während Gore sich frei vor dem Publikum bewegte und auf dem leuchtend roten Teppich immer wieder weit ausholende Schritten auf das Publikum zu machte, hielt Bush sich eher im Hintergrund. Beobachtern zufolge ist Gore im Umgang mit derartigen Publikumsdebatten inzwischen weitaus routinierter als Bush, weil er - anders als Bush - bereits an etwa 1000 derartigen Veranstaltungen teilgenommen hat.

Für die beiden Kontrahenten stand nach Einschätzung von Beobachtern bei ihrem letzten Schlagabtausch im Fernsehen viel auf dem Spiel, denn auch rund drei Wochen vor den Wahlen liefern sie sich weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vor der Debatte lagen die Bewerber bei Meinungsumfragen weiter nahezu gleichauf, bei einem leichten Vorsprung für Bush. Nach einer am Montag veröffentlichten Meinungsumfrage von Reuters und MSNBC lag Bush mit einem Prozentpunkt vor Gore in Führung. Anderen Umfragen zufolge führte Bush mit zwischen zwei und sechs Prozentpunkten. Die statistische Fehlerquote beträgt drei Prozentpunkte.

Überschattet wurde die Debatte vom Tod des demokratischen Gouverneurs von Missouri, Mel Carnahan. Carnahan, sein Sohn und ein Wahlkampfhelfer waren am Montag beim Absturz ihres Kleinflugzeugs tödlich verunglückt. Gore und Bush hielten vor Beginn der eigentlichen Debatte eine Schweigeminute. Beide sprachen der Familie Carnahans ihr Beileid aus. Wahlkampf- Veranstaltungen, die nach Ende der Debatte stattfinden sollten, sagten die beiden Kandidaten ab. Bush bat seine Partei, ihre Fernseh-Wahlkampfspots in Missouri für 48 Stunden auszusetzen.

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