US-Wahlkampf
Leichte Vorteile für Gore im TV-Duell

Einige Meinungsforschungsinstitute sehen den Demokraten Al Gore vorne, doch noch stehen weitere Fernsehduelle ins Haus.

Reuters WASHINGTON. Der demokratische Kandidat bei den US-Präsidentenwahlen, Al Gore, hat die erste Fernsehdebatte mit seinem republikanischen Konkurrenten, George W. Bush, nach Ansicht von Beobachtern und Blitzumfragen mit leichten Vorteilen für sich entschieden. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup waren am Mittwoch 48 % der Befragten der Ansicht, Gore habe die Nase vorn gehabt. 41 % hielten Bush für den Gewinner der Debatte. Beherrschende Themen waren die Steuerreform, die Gesundheitsvorsorge für Senioren, die Abtreibung und Umweltfragen. Vor der US-Wahl am 7. November wird es am 11. und 17. Oktober weitere Fernsehduelle geben.

In der Gallup/CNN/USA Today-Umfrage gaben nach der Debatte insgesamt 435 registrierte Wähler ihre Meinung ab. Eine Umfrage des Fernsehsenders CBS (812 Befragte) sah Gore mit 56 % gegenüber Bush mit 42 % vorn. Bei anderen Umfragen fiel der Abstand zwischen beiden Kandidaten geringer aus. Auch vier von sechs von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Politikwissenschaftler sahen leichte Vorteile für den Vizepräsidenten. Shirley-Anne Warshaw vom Gettysburg College sagte, Bush habe nicht genügend Detailwissen präsentieren können. Bruce Buchanan von der Universität Texas dagegen sagte, Bush habe sich gut gegen Gore behauptet.

Beide Kandidaten erschienen gleich gekleidet zu ihren Auftritten: dunkler Anzug, weißes Hemd und rote Krawatte. Seit Tagen hatten sie sich auf das 90-minütige Streitgespräch im Clark Athletic Center der Universität Massachusetts in Boston vorbereitet. Fernsehduelle gelten in den USA als richtungsweisend für die letzten Wochen des Wahlkampfs. Bislang liefern sich beide Kandidaten Meinungsumfragen zufolge ein Kopf-an-Kopf-Rennen.



Münzentscheidung: Wer darf zuerst antworten?

Moderator Jim Lehrer stellte die erste Frage an Gore, wie es per Münzwurf bestimmt worden war. Auf die Frage, ob er seinen Gegner für das Präsidentenamt für besonders geeignet halte, sagte Gore, er habe Bushs Erfahrung nicht in Frage gestellt, sondern seine Vorschläge, die falsche Prioritäten setzten. Gore erklärte seine Absicht, nicht nur einige Wenige durch Steuersenkungen reicher zu machen, sondern alle Familien.

Bush verteidigte sein Programm, die Steuern über die nächsten zehn Jahre um 1,3 Billionen $ zu senken. Er wies auf seine Erfahrungen in der Politik im zweitgrößten Bundesstaat Texas hin und warf den Demokraten vor, mit den Plänen zum Ausbau der Gesundheitsversorgung den Regierungsapparat um 20 000 Bürokraten aufblähen zu wollen. Zur Frage der kürzlich zugelassenen Abtreibungspille RU-486 sagte Bush, der als Abtreibungsgegner gilt, er wolle die getroffene Entscheidung nicht rückgängig machen. Beide Bewerber um die Nachfolge von Präsident Bill Clinton waren sich in der Außenpolitik einig, dass der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic die Präsidentenwahl verloren habe und abtreten müsse.



Weitere Debatten stehen an

Nach der Debatte zeigten sich sowohl Bush als auch Gore zuversichtlich: "Das Beste kommt noch", rief Gore rund 1000 vor seinem Hotel versammelten Anhängern zu. Bush sagte, "Mann, ich bin froh, nach Boston gekommen zu sein". Außer den zwei weiteren Debatten wird es am Donnerstag auch eine Diskussion der beiden Vize-Präsidentenkandidaten, Dick Cheney und Joseph Lieberman, im Fernsehen geben.

Clinton selbst, der sich zu einer Parteiveranstaltung im Badeort Coral Gables nahe Miami im Bundesstaat Florida aufhielt, hätte die Debatte um ein Haar verpasst. Wegen eines Ausfalls im örtlichen Kabelnetz musste der Präsident mitsamt Autokolonne zu Freunden in die Stadt Miami fahren, um den Auftritt der beiden Kandidaten mit halbstündiger Verspätung doch noch verfolgen zu können. Anschließend bescheinigte er seinem Stellvertreter eine "tolle Leistung".

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