US-Wahlkampf
McCain startet Gegenangriff

Obama in Berlin und auf allen Kanälen: Kein Wunder, dass die Stimmung im republikanischen Lager nicht gut ist. In der medialen Aufmerksamkeit droht McCain abgehängt zu werden. Sein jüngster Versuch eines Gegenangriffs: Anti-Obama Radiospots in Berlin – Berlin/USA.

HB/cot DÜSSELDORF. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain überlässt seinem Kontrahenten Barack Obama in Berlin nicht allein das Feld - zumindest nicht in den drei US-Städten, die den Namen der deutschen Hauptstadt tragen. McCain schaltete im Berlin der Staaten Pennsylvania, Wisconsin und New Hampshire Anti-Obama Radiospots, wie die „Washington Times“ berichtete. Auch wenn die Spots kein großes Publikum erreichten, seien sie sicherlich ein „guter Seitenhieb“ auf Obama, schreibt das Blatt.

Zuvor hatten US-Medien bereits darüber spekuliert, dass McCain die Europareise Obamas dazu nutzen wird, seinen Vize-Präsidentschaftskandidaten zu benennen und auf diese Weise seinem Konkurrenten die Show zu stehlen. Doch bislang wurde dazu nichts aus McCains Umfeld bekannt.

McCain muss in den Medien wieder präsenter werden. Seit der Wahlkampf im Juni zum Duell zwischen McCain und Obama wurde, haben die Nachrichten der US-Fernsehsender laut einer Berechnung des Branchendienstes Tyndall Report 114 Sendeminuten auf Obama verwendet - und 48 auf McCain.

Alle großen Fernsehsender räumten Obama viel Sendeplatz bei seinen Stopps in Afghanistan, dem Irak, Israel und Deutschland ein, während die Auftritte des (noch) 71-jährigen McCain meist nur noch als Randnotiz vorkamen. „Das ist noch nicht einmal knapp“, sagt der Direktor des Zentrums für Politik der Universität von Virginia, Larry Sabato. „Diese Woche sah es zumindest so aus, als ob der amtierende Präsident Obama gegen den Herausforderer Bob Dole antritt. Es sieht genau so aus: Die Zukunft gegen die Vergangenheit.“

CNN zum Beispiel blendete sich am Mittwoch aus der Übertragung eines McCain-Stopps im Rathaus von Wilkes-Barre in Pennsylvania aus, um Obamas Pressekonferenz in Israel zu übertragen. Später wurde eine Zusammenfassung des McCain-Events gezeigt. MSNBC und Fox News Channel zeigten kurz Bilder von McCains Auftritt, blieben aber nicht dabei, um zu übertragen, was der Kandidat zu sagen hatte. Sie übertrugen stattdessen Obama in voller Länge.

Der Sprecher der US-Republikaner in Deutschland, Stefan Prystawik, kritisierte in diesem Zusammenhang auch die deutschen Medien. Während Obama als weltmännisch feinfühliger Mensch und „europäischster aller Kandidaten“ erscheine, sei der Kandidat der Republikaner McCain wie „der zweite Cowboy aus der zweiten Reihe“ dargestellt. Es werde argumentiert, ohne sich auf Details einzulassen, sagte Prystawik. Dabei sei die internationale Erfahrung McCains „riesen groß“ - nicht nur aus dem Vietnam-Krieg. Dies würde „schlicht ignoriert oder einfach nicht genannt, nicht dargestellt.“

Doch McCains Pechsträhne scheint sich fortzusetzen. So musste er einen für Donnerstag geplanten Auftritt auf einer Ölbohrinsel im Golf von Mexiko absagen, weil Hurrikan „Dolly“ zu stark wütete, berichtete die „Washington Post“. McCain hatte vor, in New Orleans in einen Hubschrauber zu steigen und damit medienwirksam auf der Plattform zu landen. Der Hurrikan machte den Flug jedoch unmöglich.

Damit platzte McCains wichtigster Versuch, Obamas Rede in Berlin vor tausenden von Menschen etwas entgegenzusetzen. Der 71 Jahre alte Republikaner warte immer noch darauf, dass sich ihm das Glück zuwendet, meinte die „Washington Post“.

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