US-Wahlkampf
Romney und Huckabee stehlen Promis die Show

Informeller Auftakt zu den US-Vorwahlen: Beim sogenannten "Straw Poll" der Republikaner in Iowa wurden plötzlich Außenseiter zu Favoriten. Mitt Romney und Mike Huckabee spielten sich zwischen Grillfestatmosphäre und Wahlkampfspektakel in den Mittelpunkt der Präsidentschaftskandidatur.

DÜSSELDORF. Wie wenige Stimmen eine Wahl in Amerika entscheiden können, ist seit George W. Bushs Sieg 2000 bekannt. Jetzt reichten Mitt Romney 4 516 Stimmen, um seine Spitzenreiterrolle unter den republikanischen Anwärtern auf Bushs Nachfolge zu festigen. Mike ("Wer ist denn das") Huckabee genügen gar 2 197 Stimmen, um sich aus der Obskurität ins Zentrum des Wahlkampfes zu katapultieren. Diese Zahlen sind das Ergebnis des Straw Polls von Iowa, dem ersten Stimmungstest der Republikaner auf dem langen Weg zur Wahl des 44. US-Präsidenten Ende 2008.

Bei diesem Ereignis, einer Mischung aus Barbeque-Party und Politspektakel, werden zwar noch keine Wahlmänner bestimmt. Doch gilt der Straw Poll als gute Gelegenheit, das breite Kandidatenfeld der Republikaner unter die Lupe zu nehmen - und die Ersten auszusieben. "Der Wechsel beginnt in Iowa," interpretierte Romney seinen Etappensieg. Tatsächlich hatte auch Bush 1999 seinen Wahlerfolg in Iowa begonnen.

Zudem wächst die Bedeutung des Straw Polls, denn die Termine für die eigentlichen Vorwahlen rücken immer weiter nach vorne: womöglich schon im Dezember findet die erste parteiinterne Versammlung (Caucus) statt, ebenfalls in Iowa. Unter Umständen schon am 8. Januar wird in New Hampshire die erste echte Vorwahl (Primary) folgen, bevor die Schwergewichte unter den US-Staaten ihre Entscheidung am "Super-duper-tuesday" Anfang Februar fällen.

Auf Iowa hatte Mitt Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, alle seine Kräfte und Finanzen konzentriert. Der Einsatz von mehreren Millionen Dollar zahlte sich aus - mit 31 Prozent der 14 302 abgegebenen Stimmen liegt er klar vorne. Zwar waren die nationalen Schwergewichte der Republikaner, Rudy Guiliani und John McCain in Iowa gar nicht erst angetreten. Sie schonten ihre Wahlkampfkasse und wollen erst später in den Vorwahlmarathon einsteigen.

Aber dennoch zeigt Romneys Sieg, dass mit dem bislang relativ unbekannten Ex-Gouverneur, schwerreichen Investmentbanker und einflussreichen Mormonen zu rechnen ist. Romney hat unter den Republikanern bislang nicht nur die meisten Wahlkampfspenden eingetrieben, er steht nun auch ganz im Interesse der Medien und kann damit Guiliani und McCain gefährlich werden, die bislang in den nationalen Umfragen relativ deutlich führen.

Für die größte Überraschung sorgte in Iowa allerdings Mick Huckabee, der frühere Gouverneur von Arkansas. Ohne großen Aufwand zu betreiben erreichte er Platz zwei und distanzierte dabei auch Sam Brownback, Senator aus Kansas. Während Brownback ein gewaltiges Zelt mit Klimaanlage für seine Kampagne errichtete und die Anhänger per Bus heranholte hatte Huckabee nicht einmal genug Geld zur Verfügung, um seinen Anhängern die Eintrittstickets für die Wahlveranstaltung in Höhe von 35 Dollar zu finanzieren. "Wir sind die eigentlichen Gewinner von Iowa", jubelte Huckabee, "niemand schafft mehr Meilen pro Dollar." Auch nach Meinung der Beobachter in Washington kann sich Huckabee, der über eine solide politische Erfahrung verfügt und als sozialkonservativer Baptist bei den Wählern an der Basis gut ankommt, mit dem Erfolg von Iowa im Rücken nun in die Spitzengruppe der Republikaner vorarbeiten.

Für ein paar andere Kandidaten könnte Iowa dagegen bereits das vorläufige Aus bedeuten. Zum Beispiel für Fred Thompson, ein höchst populärer Grenzgänger zwischen Ämtern in der Politik, der Justiz und dem Showbusiness. Er zögert noch immer, seine Kandidatur offiziell zu machen - und erhielt in Iowa gerade mal 203 Stimmen.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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