US-Wahlkampf
Silicon Valley for Obama

Wie kein Politiker zuvor hat der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten die Internetmächtigen in Kalifornien für sich gewonnen. Aber ist durch die hohen Erwartungen nicht die Enttäuschung schon programmiert?

SAN FRANCISCO. Auf der Adeline Street hängen Luftballons in Blau, Weiß, Rot träge über dem knallweißen Zweckbüro. Von hier aus wird von nun an Barack Obamas Wahlkampf rund um Berkeley, Kalifornien, und das Silicon Valley organisiert. Drinnen kredenzen Obama-Fans Selbstgebrutzeltes - umsonst.

Thomas Bates, Bürgermeister von Berkeley, trägt eine Nickelbrille zu blauem Hemd und Jeans. Er ist natürlich Demokrat wie Obama, und Bates ist in Hochstimmung. "Obama macht uns frischen Wind und Lust an der Politik!" behauptet er, der wie die Mehrheit in Kalifornien zunächst in der Vorwahl für Hillary Clinton votierte. Nun aber ist auch Bates für "change".

Spät ist Obama dran mit der Eröffnung seines Büros in Nordkalifornien. Hunderte andere hat er landesweit schon eröffnet. Andererseits: Nirgendwo ist er so erfolgreich wie hier. Erobert hat er das Silicon Valley mit den Erfolgsrezepten der Internetmächtigen, mit sozialen Netzwerken wie Facebook, mit einem überzeugten "Yes, we can!" zu neuen Technologien - und mit der Erkenntnis, dass das Massenmedium Internet politischen Kampagnen ganz neue Formen bietet. Wie kein Präsidentschaftskandidat zuvor ist Obama der Kandidat des Silicon Valley: Hier wird er gehandelt wie das heißeste Start-up-Unternehmen.

Bürgermeister Bates ist noch immer baff. "Erstaunlich, wie er die ausgebufften Clintons abgehängt hat - finanziell. Hillary Clinton hatte mehr Geld von den Finanzmogulen der Metropolen eingesammelt als jeder Präsidentschaftskandidat vor ihr" - doch der Kandidat heißt nun Obama.

Mit seiner Webseite "My.BarackObama.com" trieb Obama Hunderttausende von Minispenden ein. "Dear Rudiger: with 5 Dollars you can ...", wirbt er per E-Mail. Fast eine halbe Milliarde Dollar holte er sich auf diese Weise von seinen "lieben Freunden". "Bei Al Gore im Jahr 2000 waren bei Spendenpartys vielleicht 20 in seinem Wohnzimmer, die sechsstellige Schecks ausstellten", erzählt Berkeleys Bürgermeister Bates. "Bei John Kerry 2004 waren es vier Jahre später 2 000 Leute, die ihm in einem Hotel vierstellige Beträge per Scheck übergaben. Bei Barack Obama kommen 20 000 Fans ins Stadion wie zu einem Rockkonzert, von denen dann die meisten hinterher zu Hause ein paar Dollar übers Internet spenden." 95 Prozent seiner Spenden sind kleiner als 200 Dollar - bei John McCain sind es nur 13 Prozent.

So hat Obama Millionen Amerikaner zu winzigen Venture-Capitalists gemacht, zu Anteilseignern an seiner Kampagne für den "Wandel". Millionen plappern den Obama-Rap nach: "Yes, we can!" Nicht viel anders funktioniert das Silicon Valley.

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