US-Wahlkampf
Wie die Waffenlobby gegen Obama mobilisiert

Verliert John McCain kommenden Dienstag die Präsidentschaftswahl gegen Barack Obama, wäre das für die Waffenfans zwar misslich, denn sie stehen seit jeher treu hinter den Republikanern. Doch die "National Rifle Association of America" ist so stark, dass nicht mal Obama es wagt, sie zu attackieren.

SAN FRANCISCO. Wie eine schlafende Kriegsmaschine steht der schwarze Hummer mit schwarzen Tarnscheiben vor dem "Cow Palace". An der Gesinnung seines Piloten sind keine Zweifel erlaubt. "Frieden durch überlegene Feuerwaffen!" verspricht der Aufkleber am Autofenster. Drunter ein paar Feuerwaffen. Daneben veredelt ein Emblem das schwarze Untier: "NRA". Das steht für "National Rifle Association of America". Ein paar Meter vom Hummer entfernt hat sie ihren Stand aufgepflanzt, einen Malertisch mit roter Decke. "Yeah, Mann, mehr Waffen, mehr Frieden, that's right!" feuert Tischsteher John jedem entgegen, der des Weges kommt.

Einst rockten Frank Zappa und die Grateful Dead im "Cow Palace" in Daly City bei San Francisco. Heute steigt hier die "Crossroads of the West", die größte Waffenmesse Amerikas. Hunderte, wenn nicht Tausende Biedermänner samt Kindern pilgern für zwei Tage hierher, um zu gucken und zu kaufen. Das Arsenal ist üppig: Hunderte automatischer Gewehre, Uzis und Kalaschnikows sowie Tausende Colts und Pistolen liegen bereit. Zum Beispiel der Smith&Wesson 500: Der 35 Zentimeter lange Trommelrevolver wirkt so einschüchternd, als könne er alleine den "Cow Palace" wegputzen. Neben ihm schlummert die Walther PPKS, Kaliber 9mm. Auch mit ihr ließe sich gehörig Respekt verschaffen, etwa bei einem Akt von häuslicher Gewalt. All dies Waffen reichen aus, um eine hübsche Revolution anzuzetteln, in Südamerika vielleicht oder vielleicht auch zu Hause in den USA - dort, wo die Demokraten die Mehrheit haben.

Sogar Adolf Hitler ist herbeimarschiert. Auf 80 Zentimeter geschrumpft, gibt er als Pappkamerad so etwas wie den heimlichen Oberbefehlshaber der Armee der Familienväter. "No. 1 War Criminal of the 20th Century" prangt auf der Schachtel, aus der der Führer, in Zellophan balsamiert, der Menge seinen Gruß entbietet. Frieden schaffen mit überlegenen Waffen.

Die NRA ist Amerikas mächtigste Lobby. Verliert John McCain nächsten Dienstag die Präsidentschaftswahl gegen Barack Obama, wäre das für die Waffenfans zwar misslich, denn sie stehen seit jeher treu hinter den Republikanern. Doch die NRA ist so stark, dass nicht mal Obama es wagt, sie zu attackieren. Dafür sind ihre Mitglieder zu zahlreich - und sie repräsentieren in den USA noch immer mehr eine Leit- als eine Subkultur.

Auf "Gun Shows" wie in Daly City feiern sich die Wehrhaften selbst. Mögen auch Polizeipräsidenten klagen, dass nirgendwo sonst so viele Waffen illegal den Besitzer wechseln wie auf Waffenmessen. Hier wird gedealt, was womöglich irgendwann großes Unheil stiftet. Doch die NRA verteidigt die Shows wie einen Gral. Hummermäßig.

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