US-Wahltagebuch
Vor der US-Wahl gibt es nur noch Oppositionelle

Der Wahlkampf der Republikaner wird absurd. Je weniger sich die Wähler in den Primaries auf einen Favoriten festlegen wollen, desto mehr muss die Regierung als Prügelknabe herhalten.

CHARLESTON. Die Präsidentschaftskandidaten der Republikaner suchen ihr Heil in der Opposition. „Washingtons Politik ist am Ende. Sie versprechen die illegale Einwanderung zu stoppen – aber sie tun es nicht“, skandiert Mitt Romney, Gewinner der letzten Wahl in Michigan. Bei seinem telegenen Auftritt in einer Yachtwerft in Charleston listet er ein Versprechen der Regierung nach dem anderen auf. „Aber sie tun es nicht“, antworten seine gut 100 Anhänger im Chor.

Eine Stunde hatten sie in der Kälte auf ihren Kandidaten gewartet, jetzt rufen sie sich warm. Es sind die Vertreter der oberen Zehntausend von Charleston, der Südstaatenperle an der Atlantikküste von South Carolina, die sich für den einstigen Investmentbanker und Ex-Gouverneur von Massachusetts begeistern. Die Damen tragen Pelz, die Herren fahren schwarze Sport-Trucks, neben denen ein Porsche Cayenne zierlich wirkt.

Bei Mike Huckabee, der in der örtlichen Militärakademie auftritt, ist das Publikum größer, bunter und lauter. Aber es hört die gleiche Botschaft: „Die Preise steigen, die Leute arbeiten härter – aber Washington macht ihnen mit einem verrückten Steuersystem das Leben schwer“, poltert der ehemalige Baptistenprediger. An allem ist die Regierung schuld, „aber ich werde das in Ordnung bringen“.

Huckabees Lösungen sind allzu einfach, aber sie kommen an. Die progressive Steuer verhindert, dass sich mehr Arbeit lohnt? Dann werden alle Einkommenssteuern abgeschafft, das Finanzamt aufgelöst und statt dafür eine Konsumsteuer eingeführt, schlägt der Ex-Gouverneur von Arkansas vor. Die Kontrolle der Einwanderer wird outgesourct – etwa an Amazon oder UPS, die wissen doch auch immer genau, wo sich ihre Bücher oder Pakete gerade befinden.

Der Wahlkampf der Republikaner wird absurd. Je weniger sich die Wähler in den Primaries auf einen Favoriten festlegen wollen, desto mehr muss die Regierung als Prügelknabe herhalten. Dass in den vergangenen acht Jahren ein Republikaner in Washington regiert, dass die Partei fast drei Jahrzehnte (mit Ausnahme der Clinton-Jahre) Amerikas Politik dominierte, erwähnt keiner der Kandidaten. Aber auch ihre Anhänger fragen nicht danach. Zu sehr sehnen sie sich nach Wandel. „Change“, bisher der Schlachtruf der Demokraten, hat die Republikanern erobert.

John McCain, der dritte im Bunde und inzwischen auf nationaler Ebene klarer Anführer des republikanischen Feldes, hat sich schon immer klar von der Politik der Bush-Regierung abgesetzt und die Irak- oder Klimapolitik hart kritisiert. Allein Rudy Giuliani, der Ex-Bürgermeister von New York, hält in vielen Punkten treu an der Regierungslinie fest. Doch Giuliani ist bei den Vorwahlen bislang überhaupt nicht in Erscheinung getreten und in den Umfragen auf nationaler Ebene vom ersten auf einen hinteren Rang abgerutscht.

An diesem Samstag wird in South Carolina gewählt – und wer in dieser konservativen Hochburg in den letzten Jahrzehnten gewonnen hat, hatte später fast auch immer die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner errungen. Darum kämpfen Romney, Huckabee und McCain so hart. „Wenn Ihr mich hier wählt dann ziehe ich ins Weiße Haus ein und sorge dafür, dass wir auf Amerika wieder stolz sein können“, verspricht Huckabee. In den letzten Umfragen liegt er in South Carolina zwar deutlich hinter McCain. Und insgesamt tendieren die Wähler klar zur Opposition – und das sind nicht die Republikaner.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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