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US-Werte bevorzugt

Deutsche Biotech-Fondsmanager kaufen profitable US-Unternehmen, die selbst nach Medikamenten forschen. Technologie-Anbieter interessieren sie kaum. Biotechfirmen am Neuen Markt

27/28.04.2001 Die Freude währte nur kurz: Craig Venter, Chef des US-Biotech-Unternehmens Celera, konnte das Wettrennen um die Entschlüsselung des menschlichen Genoms gegen das staatlich geförderte Human Genome Project im April vergangenen Jahres gewinnen. Der Aktienkurs befindet sich seitdem aber beständig auf Talfahrt: Noch im Februar 2000 war die Aktie mit gut 250 US-Dollar bewertet, heute pendelt sie bei rund 35 Dollar. Celera ist eines von vielen Beispielen dafür, dass Hoffnung und Enttäuschung, Gewinne und Verluste in der risikoreichen Biotech-Branche nahe bei einander liegen.

Gerade die von Fondsmanagern favorisierten forschenden Unternehmen, die selbst Medikamente entwickeln, statt nur Technologien zu verkaufen, verfügen über ein risikoreiches Geschäftsmodell. Immunex und Actelion heißen die jüngsten Opfer. Die Immunex-Aktien brachen im März ein, nachdem klinische Prüfungen bei zwei wichtigen Produkten, Nuvance gegen Asthma und dem Herz-Präparat Enbrel, nicht bestanden wurden. Kürzlich ging die Aktie der schweizerischen Actelion AG nach enttäuschenden Ergebnissen für die abschließende klinische Prüfung beim Medikament Veletri gegen Herzschwäche an einem Tag um 60 Prozent in die Knie. Drei klinische Prüfungen müssen Medikamente bestehen, bevor sie zugelassen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt aus der zweiten Test-Phase die Marktreife erlangt, schätzt Sebastian Virchow, der den DWS Biotech-Aktien Typ 0 managt, auf 30 Prozent. Für Produkte in der dritten Phase seien es 80 Prozent, sagt Michael Sjöström, Fondsmanager von Pictet.

Die Kursverluste der Biotech-Fonds im vergangenen Jahr, zeigen, dass auch Profis sich nicht gegen den Trend stemmen können. " Wenn die Kurse einbrechen, versuchen ich gegenzusteuern, indem ich mehr Bargeld halte und in liquide Aktien investiere", sagt Sjöström.

Jetzt haben sich einige Profis wieder aus der Deckung gewagt: "Wir haben mittlerweile wieder fast unser gesamtes Geld investiert", sagt Michael Fischer von Medical Strategy, der mit seinem Team insgesamt sechs Bio- und Healthcare-Fonds berät - darunter den DG Lux Lacuna Apo Biotech Fonds. Andere Fondsmanager, wie beispielsweise Virchow von der DWS, halten noch zehn Prozent Kasse - ein Zeichen dafür, dass weiter fallende Kurse und damit günstigere Kaufgelegenheiten nicht ausgeschlossen werden.

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