US-Wirtschaft
Big Oil hat Angst vor Obama

Die Wirtschaftsführer der weltgrößten Volkswirtschaft USA haben den Politikwechsel im Weißen Haus mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis aufgenommen. Während weite Teile des Landes noch im Freudentaumel liegen, fallen die ersten Reaktionen aus den Unternehmen reserviert aus. Sie sorgen sich vor allem vor mehr Staat und höheren Steuern.

NEW YORK. Amerika könne sich darauf einstellen, dass sich die Regulierungswelle, die seit Wochen die Wall Street durcheinander wirbelt, nicht nur auf die Finanzwirtschaft beschränke, betonte etwa Jeffrey Immelt, Chef des führenden US-Mischkonzerns General Electric, kürzlich vor Studenten der Columbia Business School in New York: "Wir werden mehr Regulierung auch im Gesundheitswesen, in der Energie und in anderen Bereichen bekommen."

In all diesen Industrien bereiten sich die Unternehmen und Unternehmer auf einen Klimawandel der US-Wirtschaftspolitik vor, die das Geschäft eher zu belasten denn zu beflügeln droht. Die einhellige Meinung ist, dass die hauptsächlich in Texas ansässige Mineralölindustrie nach dem Ende der Regierung George W. Bush und einer Serie von Rekordgewinnen am meisten zu verlieren hat. Mit Exxon Mobil, Chevron und Conoco Phillips stellt die "Big Oil" genannte Branche inzwischen nicht weniger als drei der fünf umsatz- und gewinnstärksten Unternehmen Amerikas.

Der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini erwartet, dass Obama die Milliardengewinne der Ölindustrie höher besteuern wird, auch um ein ambitioniertes Programm zum Ausbau alternativer Energien sowie die im Wahlkampf versprochenen Steuersenkungen für kleinere Unternehmen und Geringverdiener finanzieren zu können. Im Zentrum von Obamas Steuerpolitik stehe eine Strategie der Umverteilung zu Gunsten einer großen Anzahl von Geringverdienern und Menschen der Mittelklasse, sagte Roubini. So steht zur Debatte, dass Exxon & Co künftig höhere Steuern entrichten sollen, sobald der Ölpreis die Marke von 80 Dollar pro Barrel übersteigt.

Wie immer bei Richtungsänderungen, wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Anbieter alternativer Energien sehen sich auf der Sonnenseite: Obama hat über die nächsten zehn Jahre ein 150 Mrd. Dollar schweres Ausgabenprogramm versprochen, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren und in Bereichen wie Solar und Windkraft Millionen neue Jobs zu schaffen. Auch Konzerne wie Caterpillar oder General Electric, die im Infrastruktur-Bereich arbeiten, dürfen auf neue Großaufträge hoffen. Ein Konjunkturprogramm zur Sanierung von Straßen und Brücken sowie zum Neubau von Schulen steht auf der Agenda des neuen Präsidenten weit oben.

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