US-Wirtschaftsaussichten verunsichern
Hohe Verluste an allen europäischen Börsen

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz und der Euro-Stoxx-50-Index für die Standardwerte aus der Europäischen Währungsunion (EWU) verloren bis zum Mittag jeweils rund drei Prozent.

reuters. Hohe Verluste im Zusammenhang mit anhaltenden Unsicherheiten über die US-Wirtschaftsaussichten und die Erwartung auf eine schwache Eröffnung der US-Börsen haben am Mittwoch den Handel an den europäischen Börsen gekennzeichnet. Unter Druck standen vor allem Bankenwerte. Die Titel von Finanzinstituten, die bereits im asiatischen Handel nachgegeben hatten, bauten in Europa ihre Verluste weiter aus, nachdem die Rating-Agentur Fitch nach Handelsschluss in Tokio mitgeteilt, dass sie ihre Ratings für 19 japanische Institute zurückgenommen hatte. Zudem hatte Goldman Sachs am Mittwoch mehrere deutsche Finanzhäuser herabgestuft.

Der Londoner Blue-Chip-Index FTSE 100 fiel auf einen neuerlichen Tiefststand seit über zwei Jahren. Der französische CAC 40-Index erreichte ein neues 17-Monats-Tief und näherte sich immer mehr der Unterstützungslinie von 5 000 Punkten an.

Die negativen Trends für die Eröffnung der Börsen in New York sorgten nach Ansicht von Experten für massive Verkäufe. Gegen Mittag deuteten die wichtigsten Trendbarometer, der S&P 500-Future und der Nasdaq-Future klar auf eine schwache Eröffnung an der Wall Street. Der Nasdaq-Future gab 65 Punkte ab, und der S&P 500 Future notierte mit 28,5 Punkten im Minus.

Die New Yorker Aktienmärkte hatten am Dienstag fester geschlossen. Der Technologieindex für US-Wachstumswerte Nasdaq Composite war mit plus 4,75 % bei 2014,78 Zählern aus dem Handel gegangen. Der Blue-Chip-Index Dow Jones war mit einem Plus von 0,81 % auf 10 290 Zähler aus dem Handel gegangen. Die Zuwächse waren mit gestiegenen Hoffnungen auf eine deutliche US-Zinssenkung im Zuge der jüngsten Konjunkturdaten begründet worden.



LONDON - Schwach durch Telekom und Banken

An der Londoner Börse fiel der FTSE 100-Index am Mittwochvormittag mit 5566,2 Punkten zeitweise auf einen neuerlichen Tiefststand seit Dezember 1998. Bis zum Mittag notierte der FTSE 2,9 % niedriger bei 5550 Punkten. "Der Bär scheint im Moment zu gewinnen", sagte ein Händler, Cable & Wireless gaben 11 % ab auf 487 Pence. Bereits am Dienstag war die Telefongesellschaft nach einer Gewinnwarnung um rund zwanzig Prozent eingebrochen. Vodafone verloren fünf Prozent auf 189 3/4 Pence. Finanztitel büßten ebenfalls deutlich ein, nach Händleraussagen gezogen von HSBC . Am Mittag notierte das internationale Kreditinstitut mit 2,9 % im Minus bei 837 3/4 Pence.



ZÜRICH - Schwach durch Standardwerte

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch nach einer etwas höheren Eröffnung Gewinne bis zum Mittag wieder abgegeben und deutlich ins Minus gedreht. Der SMI-Index notierte drei Prozent im Minus bei 7154 Zählern. Händler äusserten sich enttäuscht, der Markt sei total überverkauft, dennoch scheine eine Gegenbewegung noch auszubleiben. "Die Psychologie stimmt nicht, da hilft auch keine Charttechnik", sagte ein Händler. Verluste verzeichneten die Kurse der beiden Indexschwergewichte Novartis und Nestle . Diese sanken um rund drei Prozent. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hatte Nestle als zu teuer bewertet und auf "marktgewichten" von zuvor "übergewichten" zurückgestuft. Roche fielen ebenfalls um 2,6 % auf 13050 sfr, nachdem Goldman Sachs den Pharmakonzern von der Empfehlungsliste für das European Private Client Portfolio genommen hatte.



PARIS - CAC 40 mit 17-Monatstief

Die französischen Aktienwerte verzeichneten gezogen von Chiphersteller STMicroelectronics bis zum Mittag deutliche Verluste und liessen den Blue-Chip-Index CAC 40 auf ein neues 17-Monatstief fallen. Der Index notierte gegen Mittag 3,11 % niedriger bei 5025 Zählern. Händler führten die Entwicklung auf den negativen Nasdaq-Future zurück. "Die Leute haben die ganzen technischen Reaktionen, die immer wieder zu Entgleisungen führen, einfach satt", sagte ein Händler. "Sie kleben an der Nasdaq und spekulieren auf Schnäppchen."

STMicroelectronics gab nach anfänglichen Aufschlägen von fünf Prozent wieder ab und notierte am Mittag mit 1,3 % im Minus bei 34,60 Euro. Zuvor hatte die Deutsche Bank das Kursziel für den Chiphersteller heruntergesetzt. Der Energiekonzern Alstom geriet ebenfalls unter Druck und notierte 3,7 % tiefer bei 28,80 Euro.

MAILAND - Schwach durch hohe Verluste bei den Banken

Die italienischen Aktienwerte präsentierten sich schwach, der Mib 30-Index gab bis zum Mittag 2,6 % auf 37132 Zähler nach. Unter Druck geriet vor allem der Bankensektor, der den Index um rund 270 Punkte nach unten zog.

Zuvor hatte das Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter zwölf italienische Banken in seine Ratingliste aufgenommen und bewertet. Die Titel der Bank San Paolo IMI wurden mit "strong buy" aufgenommen, gaben im Handelsverlauf allerdings 2,2 % nach. Unicredito gaben 2,1 % ab, sie waren mit "outperform" gelistet worden.



MADRID - Schwach gezogen von Banken und Telecom

Die madrilenische Börse präsentierte sich am Mittwoch schwach. Der IBEX 35-Index verlor 2,3 % auf 9288 Zähler, gezogen von über zweiprozentigen Verlusten bei den Banken Banco Santander Central Hispano (BSCH) und BBVA . BSCH gaben 2,7 % auf 10,60 Euro ab. Banco Santander hatte zuvor bekanntgegeben, 3,4 % an der Telekomgruppe Auna gekauft und damit ihren Anteil auf 4,5 % erhöht zu haben. BBVA wurden vom Negativtrend mitgezogen und notierten bis zum Mittag 2,8 % niedriger. Einbußen verzeichneten auch die Telekomtitel, angeführt von Telefonica mit einem Minus von rund drei Prozent bei 17,80 Euro.



AMSTERDAM - Schwach gezogen von Telekomwerten

Die niederländischen Aktienwerte präsentierten sich bis Mittwoch Mittag schwach, nach Expertenansicht ebenfalls gezogen von den schwachen Aussichten für die New Yorker Börsen. Der AEX-Index verlor bis zum Mittag drei Prozent auf 559 Zähler. Netzwerkbetreiber KPN Qwest büßte über zehn Prozent auf 18,25 Euro ein, die Muttergesellschaft KPN verlor zwei Prozent. Weitere Verluste verzeichnete auch der Bankensektor mit ABN Amro mit 2,2 % im Minus bei 22,45 Euro und Fortis mit 1,4 % niedriger bei 28,10 Euro.



WIEN - Schwächer mit Verlusten bei BETandWIN

Die österreichischen Aktienwerte tendierten bis zum Mittwochmittag schwächer. Der ATX-Index notierte mit 1,19 % im Minus bei 1188 Zählern. Deutliche Verluste verzeichnete die Internet-Sportwettenfirma BETandWIN nach Analysten enttäuschenden Geschäftszahlen für 2000. BETandWIN gaben 4,7 % ab auf 5 Euro. Ein Händler sagte "Dass sie Cash haben, hilft der Aktie nicht, weil das wird ja verbrannt." Gut gesucht waren die Titel des Anlagenbauers VA Tech. Sie stiegen um zwei Prozent auf 38,69 Euro. Seit Jahresbeginn liegen sie mit 21 % im Plus, deutlich höher als der ATX mit knapp zwölf Prozent.



BRÜSSEL - Schwach zur Wochenmitte

Die belgische Börse präsentierte sich wie die anderen europäischen Märkte schwach mit dem Blue-Chip-Index Bel 20 um 2,7 % niedriger bei 2821 Zählern. "Die Stimmung ist immer noch negativ", sagte ein Händler zu Börsenauftakt und verwies auf den globalen Ausverkauf zu Wochenbeginn. Die Brauerei Interbrew fielen um 1,6 % auf 30,00 Euro, nachdem sie einen Verlust von 910 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2000 verkündet hatten. Die Banken-Gruppe Dexia gaben 4,5 % auf 172,10 Euro nach. Händler führten das auf die am Dienstag bekannt gegebene Übernahme von Artesia BC zurück. Es sei keine gute Zeit für Akquisitionen, hiess es.

STOCKHOLM - Hohe Verluste bei Telekomwerten

Die Stockholmer Börse präsentierte sich mit hohen Verlusten vor allem im Telekom-Sektor. Gegen Mittag notierte der OMX-Index 3,9 % niedriger bei 867 Zählern. Händler sprachen von dünnen Umsätzen. "Die Leute sind nervös, denn sie wissen einfach nicht, was als nächstes passieren wird", sagte ein Händler. "Jeder wartet, dass die Amerikaner aufstehen, um zu schauen, was die tun." Ericsson verloren sieben Prozent auf 59,50 Kronen. Telia gaben 4,17 % ab. Zuvor hatte das Telekomunternehmen den Verkauf seiner Marketingsparte an die niederländische SNT Gruppe bekannt gegeben.

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