US-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor finanziellem Desaster
Arthur Andersen droht völlige Auflösung

Schlichtungsgespräche in den USA zwischen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen und Zivilklägern sind nach einer Woche ohne greifbares Ergebnis geblieben.

coh/hus/HB WASHINGTON/NEW YORK. Der von den Gerichten berufene Schlichter Eric Green erklärte, die Gespräche im Zusammenhang mit der Enron-Pleite verliefen intensiv und hätten bedeutende Fortschritte gemacht. "Aber wir haben noch keine Übereinkunft über den Betrag, den Arthur Andersen beisteuern kann, oder darüber, wie er auf die verschiedenen Kläger verteilt wird", fügte der Rechtsexperte von der Universität Boston hinzu.

Green soll bei den anhängigen Klagen gegen Andersen in Folge des Zusammenbruchs des Energiehändlers Enron - der größten Firmenpleite der US-Geschichte - außergerichtlich Einigungen herbeiführen. Kläger sind der Konzern selbst sowie Gläubiger, Aktionäre und Angestellte. Sie werfen Andersen unter anderem vor, bei Buchprüfungen für die 2001 in Konkurs gegangene Enron nachlässig gewesen zu sein. Die Schlichtung der Zivilklagen ist ein wesentliches Element des Rettungsplanes für Andersen, den der frühere US-Notenbankpräsident und Interims-Chef des unabhängigen Aufsichtsrats, Paul Volcker, erarbeitet hat. Andersen hat seit dem Enron-Skandal schon über 100 Kunden verloren. 6 000 der insgesamt 28 000 Andersen-Mitarbeitern droht daher die Kündigung.

Arthur Andersen hat nach dem Rücktritt ihres Unternehmenschefs Joseph Berardino inzwischen die beiden Partner C.E. Andrews und Lawrence A. Rieger als Nachfolger benannt. Sie wurden von Paul Volcker der Presse vorgestellt. Allerdings blieb unklar, wer jetzt das Unternehmen aus seiner schwierigen Lage führen soll. Die Verwirrung über die neue Führungsstruktur wurde auf der Pressekonferenz Ende vergangener Woche offenkundig: Der ehemalige Zentralbankchef Volcker, der das Krisenmanagement vor einigen Wochen übernommen hat, betonte, er sei nicht der Chef der Firma. Gleichzeitig erklärten die neu ernannten Firmenvorstände Andrews und Rieger, sie seien im Strafverfahren gegen Andersen nicht die richtigen Ansprechpartner. Vergangene Woche hatte Volcker vorgeschlagen, er wolle ein siebenköpfiges Komitee einsetzen und anführen, das den Konzern wieder in sicheres Fahrwasser führen soll. Allerdings machte er seinen Einsatz davon abhängig, dass die US-Regierung ihr Strafverfahren gegen Andersen zurückzieht.

Andersen droht nun, völlig auseinander zu fallen, nachdem immer mehr Partner mit der Konkurrenz zusammengehen. Andersen Australien meldete beispielsweise am Wochenende die Fusion mit Ernst & Young auf dem fünften Kontinent.

Die Bankrottängste von Andersen USA wurden am Wochenende noch weiter geschürt, als bekannt wurde, dass ihre Haftungsversicherung inzwischen zahlungsunfähig geworden ist. Sie hatte die Rekordsumme von 217 Mill. $ im Fall einer anderen Sammelklage gegen Andersen in Arizona zahlen sollen. Diese Zahlung bleibt nun aus. Auch das auf 375 Mill. $ reduzierte Angebot von Andersen im Fall Enron steht damit in Frage. 250 Mill. $ sollten von der Versicherung kommen.

In Washington arbeiten die Politiker an einem strikteren Regelwerk für Wirtschaftsprüfer. Über 30 verschiedene Gesetzentwürfe stehen zur Diskussion. Die Ideen der US-Politiker reichen von der Trennung von Beratungs- und Wirtschaftprüfungsgeschäft bis hin zur völligen Verstaatlichung der Wirtschaftsprüfung.

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