US-Zeitung empfiehlt Schund-Anleihen
Renaissance der Junk Bonds in USA

Eine US-Zeitung empfiehlt "Schund-Anleihen".

zz WASHINGTON. Fast ein ganzes Jahrzehnt lang redete niemand über Junk Bonds, obwohl diese Anleihen laufend emittiert werden. Jetzt aber empfehlen wieder einige Anlageberater die Papiere, die auf Deutsch Schund-Anleihen genannt werden. Das berichtet die Zeitung USA Today. Das Argument: Selbst der beste Schuldner der Welt - das amerikanische Finanzministerium - zahlt auf eine zehnjährige Anleihe gerade 5,62 %. Der vom Brokerhaus Lehman Bros. errechnete Index der Hochzinsanleihen zeigt aber eine Durchschnittsrendite von 13,9 %. Versprechungen der Junk Bonds sind verführerisch. Vorausgesetzt, der Emittent kann die zugesagten hohen Zinsen ausschütten und später auch das Kapital zurückzahlen. Sonst hat der Anleger Pech gehabt.

Anleihen von Firmen, die keinen Kredit bekommen

Das System ist einfach: Man nehme ein Unternehmen mit zweifelhafter, drittrangiger Bonität, das nirgendwo mehr Kredit erhält. Dieses lasse man Anleihen emittieren. Das hohe Risiko für die Geldgeber muss der Schuldner mit überdurchschnittlich hohen Zins-Versprechungen aufwiegen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder erfüllt der Schuldner seine Zins-Zusagen, dann haben die Anleger vom Mut zum Risiko profitiert. Geht das Unternehmen aber pleite und kann die versprochenen Zinsen nicht mehr zurückzahlen, dann ist auch das angelegte Kapital vernichtet. Und die Anleger schauen in die Röhre.

Michael Milken hat dieses Konzept der Junk Bonds zwar nicht erfunden, aber perfektioniert. Ende der achtziger Jahre überredete er minderrangige Unternehmen, Junk Bonds herauszugeben und sich auf diese Weise Geld zu beschaffen.

Wegen Junk Bonds ins Gefängnis

Das brachte Milken den Titel "König der Wall Street" ein. Einige Jahre später brachten ihn die Schund-Anleihen hinter Gitter: Zwei Jahre Haft wegen Betrugs hat er schon hinter sich, acht weitere liegen noch vor ihm. Anfang der neunziger Jahre hat Milken mit diesen Papieren nicht nur seine Anleger, sondern auch seinen Arbeitgeber ins Verderben gerissen - das Investmenthaus Drexel Burnham Lambert. Heute bemüht er sich, seinen Ruf durch allerlei wissenschaftliche Aktivitäten wieder aufzupolieren.

Doch die Schund-Anleihen könnten wieder in Mode kommen, raunen Bonds-Händler an der Wall Street. Das berichtet die Zeitung USA Today, die das hohe Risiko dieser Anleihen nicht verschweigt. Die Logik der Junk-Bond-Befürworter: Wenn die Welt zusammenbricht, werden auch gute Schuldner ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Kommt es also zum totalen weltpolitischen Kollaps, zu einer Rezession, zu Bankenpleiten reihum, dann sind auch die Anleihen erstrangiger Emittenten nichts mehr wert. Wer aber kein solches Horrorszenario erwartet, könnte sich nach Angaben der Zeitung doch ein paar Junk Bonds ins Depot legen. Zur Sicherung der Rendite.



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