US-Zeitung geht auf Schwierigkeiten im Irak-Krieg ein: „Stars and Stripes“: Durchhalteparolen und Psychopharmaka

US-Zeitung geht auf Schwierigkeiten im Irak-Krieg ein
„Stars and Stripes“: Durchhalteparolen und Psychopharmaka

Welche Berichte erwarten den Leser der amerikanischen Armeezeitung: "Stars and Stripes"? Durchhalteparolen, Berichte über die siegreichen Soldaten an der Front? Das Bild ist differenzierter: US-Soldaten im Auslandseinsatz können sich in der Zeitung und auch online über die aktuellen Ereignisse im Irak-Krieg und die Risiken des Piercings informieren.

DÜSSELDORF. Seit Anfang März erreichen die Neuigkeiten auch die Truppen vor Ort. Eine objektive Informationsmöglichkeit für die Soldaten? Immerhin wird die Zeitung vom amerikanischen Verteidigungsministerium zur Veröffentlichung freigegeben. Obwohl hauptsächlich Frontberichte aus dem Irak zu finden sind, überraschen auch Reportagen auf der Website, wie jene über die psychologischen Probleme der Truppen.

In der europäischen Edition wird am 27. März über die "handelbaren mentalen Probleme" der Truppe berichtet. Antidepressiva werden in die Armeelager geschickt, um Soldaten, die dem Stress nicht mehr gewachsen sind, zu beruhigen. Es gab einen amerikanischen Soldaten, der ein Manifest schrieb, in dem er seine wirren Gedanken darlegte, sich nicht mehr vom Fleck zu rühren, wenn sich ihm ein Panzer näherte. "Wir konnten nicht viel für ihn tun", sagte Capt. Gabrielle Bryen (34 Jahre). "Er hatte ein persönliches Problem, das nicht mit Medikamenten bekämpft werden kann."

Der Stress der Kämpfe ist für die Soldaten natürlich groß. Aber angeblich werden auch psychologische Probleme vorgetäuscht: "Wir treten ihnen in den Hintern, wenn wir glauben, dass mit ihnen alles in Ordnung ist", so Bryen wörtlich. Ein ernstzunehmendes Problem? Laut Bryen sind ungewöhnlicher Weise mit andauerndem Krieg die mentalen Probleme der Soldaten zurückgegangen. Die Erklärung dafür: "Die Vorahnungen sind schlimmer als die aktuellen Ereignisse. Mit den andauernden Kämpfen sind die Soldaten beschäftigt und fühlen sich gebraucht."

Leserbriefe in bestimmter Reihenfolge abgedruckt?

Scheinbar werden Probleme zwar nicht totgeschwiegen, aber auch nicht gründlich analysiert. Diese Haltung spiegelt sich unter anderem in den Leserbriefen wieder. Die Soldaten haben in einem Forum auf der Website die Chance, ihrer persönlichen Meinung Ausdruck zu verleihen. Auffällig ist die Reihenfolge der Leserbriefe: Gewollt oder Zufall - kurze kritische Stimmen werden von langen empörten Reaktionen andere Soldaten umrahmt. Beispiel der amerikanische Sergeant M. Dunson aus Bamberg: "Nach 22 Jahren in der Armee bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine Regierung mich wie einen Sklaven hält. Ich muss in ein anderes Land, um einen brutalen Diktator zu stürzen. Wenn ich mich weigere, werde ich eingesperrt."

Auf den kurzen Leserbrief folgen zwei längere Kommentare mit den Überschriften: "Sei ein besseres Beispiel!" und "Hör auf dich zu beklagen!". Sergeant M. A. Sampsell aus Schweinfurt nennt den unzufriedenen Soldaten eine "1-Mann-Armee" unfähig den höheren Zielen der Armee zu dienen. Master Sergeant Thomas Miller charakterisiert ihn als den "best bezahlten Diener in der Geschichte der Sklaverei". Beide sind der Ansicht, dass eine solche Meinung dem militärischen Rang des Soldaten unwürdig sei. Den Leserbriefen unzufriedener Soldaten werden detaillierte, teils auch persönliche Anschuldigungen enthaltende, Kommentare gegenübergestellt, damit auch jeder merkt, dass manche Äußerungen besser nicht gemacht werden sollten.

Seit ihrer Gründung im Ersten Weltkrieg gehört die Armeezeitung zum Marschgepäck der GIs. Berichte über gefangene oder verletzte Soldaten sucht man vergebens, stattdessen wird den Soldaten mit Texten darüber, dass die Akzeptanz von Verletzten in der amerikanischen und britischen Öffentlichkeit zugenommen hat, Mut gemacht. Probleme werden nicht ignoriert, sondern als lösbar eingestuft. So teilt auch Volker Brunke den Soldaten in seinem Leserbrief mit: "Bleibt stark!".

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