US-Zinssenkung um 0,5 % wird als zu gering angesehen
Dax fällt nach Zinssenkung auf 16-Monats-Tief

Der Deutsche Aktienindex verliert deutlich und notiert auf einem 16-Monats-Tief unter 5 700 Punkten. Die Kurse im Wachstumssegment Neuer Markt sind ebenfalls im freien Fall.

ap FRANKFURT. Einen Tag nach der Leitzinssenkung in den USA hat sich der Ausverkauf an den Aktienmärkten ungebremst fortgesetzt. Dax und Nemax-50 verzeichneten bis Mittwochnachmittag herbe Verluste. Der Dax sackte um 159,31 Punkte oder knapp drei Prozent, der Nemax-50 stürzte um 7,36 %. Händler zeigten sich enttäuscht, dass die Fed die Leitzinsen nur um 50 Punkte gesenkt hatte. Auch der Euro geriet unter Druck: Der Referenzkurs wurde mit 0,8990 $ festgesetzt nach 0,9020 $ am Vortag.

Auch in London und Paris zeigten die Börsenbarometer nach unten. Der FTSE100 der London Stock Exchange gab bis zum Mittag um 2,4 % auf 5 512,9 Punkte nach. In Paris verlor der CAC-40-Index zwei Prozent. Nur in Japan hatten sich die Märkte nicht die Stimmung verderben lassen. Der Nikkei-Index für 225 Werte legte bis Handelsschluss am Mittwochmorgen um 7,49 % auf 13 103,94 Punkte zu.

Die Börsen hatten von der Fed mehr erwartet

Mit Blick auf die Konjunkturabschwächung in den USA hatte die amerikanische Notenbank am Dienstag zum dritten Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen um einen halben Punkt gesenkt. Der Leitzins für die kurzfristige Geldbeschaffung der Privatbanken, die Federal Funds Rate, liegt jetzt bei 5,0 %.

Analysten und Konjunkturexperten hatten allerdings schon vor der Entscheidung der Fed darauf hingewiesen, dass die Börsen auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte negativ reagieren dürften. Die Aktienmärkte hätten auf eine Lockerung der Zinszügel um 75 Basispunkte gehofft.

Der Chef der US-Notenbank, der in den vergangenen Jahren als Garant für die boomende US-Konjunktur galt, geriet erstmals unter Beschuss. Konjunkturexperten in den USA kritisierten, Greenspan habe die Sturmwolken am Konjunkturhimmel zu spät erkannt. Greenspan habe Fehler gemacht, seine Prognosen ließen einiges zu wünschen übrig, sagte Lawrence Chimerine, Präsident von Radnor Consulting in Philadelphia.

Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, rechnet mit weiteren Zinssenkungen in den USA von 50 bis 100 Basispunkten. Hüfner sagte dem Magazin "Focus-Money", die Leitzinssenkung der US-Zentralbank auf 5,0 % habe er erwartet. "Das gibt Fed-Chef Alan Greenspan noch Spielraum nach unten."

Debatte um Zinssenkung im Euroland

Zugleich löste die Zinsensenkung in den USA eine Debatte über ähnliche Schritte im Euroland aus. Während der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Klaus Zimmermann eine Lockerung der Zinszügel befürwortete, sprach sich der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, dagegen aus.

Zimmermann sagte der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe), eine kurzfristige Senkung der Leitzinsen sei im Euroraum "schon seit einiger Zeit überfällig und jetzt unbedingt erforderlich". Er sprach sich für eine Korrektur von ebenfalls 50 Basispunkten aus, um einer weiteren Abschwächung der Konjunktur zu begegnen.

Chefvolkswirt Ramm argumentierte dagegen, es sei nicht die Hauptaufgabe der Europäischen Zentralbank, die Konjunktur zu unterstützen, sondern für stabilen Geldwert zu sorgen. Dem MDR sagte Ramm: "Als jüngste Inflationszahlen haben wir für Euroland aber leider steigende Raten. Von daher ist der Zeitpunkt für Zinssenkungen aktuell ein bisschen verfrüht."

Aktienkurse von Epcos und SAP brechen ein

Im Dax standen die Titel von Technologieunternehmen mehrheitlich im Minus und sorgten auf Grund ihrer hohen Gewichtung für die Schwäche am Gesamtmarkt. Die Liste der Verlierer führten die Aktien von Epcos mit Minus 5,9 gefolgt von SAP mit einem Abschlag von 4,9 % an. Händler sagten, neben den US-Vorgaben werde die SAP-Aktie von einer Ankündigung des US-Konkurrenten Oracle vom Vortag belastet, wegen der sich abkühlenden US-Konjunktur Stellen zu streichen.

Die Titel der Deutschen Telekom büßten 4,5 % auf 25,43 Euro ein, nachdem die US-Ratingagentur Moody's am Dienstagabend mitgeteilt hatte, die Verbindlichkeits-Bewertungen des Konzerns wegen einer möglichen Herabstufung auf die Beobachtungsliste gesetzt zu haben. Ebenfalls im Abwind lagen Bankentitel. Die Aktien der Deutschen Bank mussten den größten Kursverlust unter den Finanzwerten mit einem Minus von 4,4 % auf 78 Euro hinnehmen. "In den kommenden Monaten könnte es zu einem Stellenabbau bei den Banken kommen", sagte ein Händler. Die Zeit der Höhenflüge an den Aktienmärkten sei zunächst vorbei, viele Institute wollten nicht mehr hohe Gehälter zahlen.

Auf der Gewinnerseite standen mehrheitlich Chemie-, Versicherer- und Autowerte.

Siehe auch: US-Indizes bauen Verluste aus

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