US-Zulassung für Hoffnungsträger Spiriva kommt später als geplant
Boehringer setzt auf weitere Partnerschaften

Mit kräftigem Wachstum im Arzneimittelgeschäft und neuen Allianzen will Boehringer Ingelheim seine globale Marktposition weiter stärken. Derzeit wird der führende deutsche Pharmakonzern allerdings von der Dollarabwertung gebremst. Und die US-Zulassung für die Neuentwicklung Spiriva wird sich womöglich verzögern.

FRANKFURT/M. Mit neuen Lizenzen und Vertriebskooperationen will der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim seine Position im globalen Pharmageschäft verstärken. Vor wenigen Tagen hat der Konzern auch in Japan die Zulassung für sein aussichtsreiches Bluthochdruck-Medikament Micardis erhalten. Um dessen Vermarktung zu beschleunigen, plant Boehringer in Kürze eine Partnerschaft mit einem führenden japanischen Pharmakonzern. Aussichtsreichster Kandidat dürfte dabei Yamanouchi sein. In Europa kooperiert Boehringer bei Micardis bereits mit Bayer und Glaxo-Smithkline, in den USA mit Abbott Laboratories.

Der führende deutsche Pharmakonzern will solche Allianzen verstärkt dazu nutzen, seinerseits Lizenzen für neue Produkte zu erwerben. In dieser Hinsicht führe man unter anderem Gespräche mit den US-Firmen Pfizer und Abbott, erläuterte Boehringer-Chef Rolf Krebs. Auf die Lizensierung von Entwicklungsprodukten dieser beiden Konzerne haben die Deutschen einen Anspruch - so sehen es bestehende Vertriebsabkommen mit den US-Konzernen vor. Zudem werde Boehringer nach einer Reihe erfolgreicher Neuentwicklungen verstärkt als möglicher Lizenzpartner gesehen, so Krebs.

Allerdings kann sich auch das Ingelheimer Familienunternehmen den wachsenden Anforderungen der Zulassungsbehörden nicht entziehen. So wird die derzeit wichtigste eigene Neuentwicklung, das Medikament Spiriva gegen die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), voraussichtlich erst Anfang 2004 und damit später als zunächst geplant auf den US-Markt kommen. Das Mittel ist zwar bereits in mehreren europäischen Ländern zugelassen und wurde vor wenigen Wochen von einem Beratergremium der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA positiv beurteilt. Da die FDA jedoch zusätzliche Informationen zur Haltbarkeit des Wirkstoffs verlangt, wird sich eine US-Zulassung möglicherweise bis Ende 2003 verzögern, erwartet Krebs. Welche Daten genau erforderlich sind, will Boehringer in den nächsten Wochen mit der FDA klären.

In Europa erzielt Spiriva bisher höhere Umsätze als geplant. Krebs zeigt sich daher zuversichtlich, dass das Produkt die hohen Erwartungen erfüllen wird, obwohl die FDA eine Wirksamkeit gegen Kurzatmigkeit (Dyspnoe) - eine wichtige Begleiterscheinung von COPD - voraussichtlich nicht anerkennen wird. Boehringer hatte für Spiriva vor knapp zwei Jahren eine weltweite Vertriebspartnerschaft mit dem US-Konzern Pfizer vereinbart.

Nach einem stürmischen Wachstum im ersten Halbjahr wird unterdessen die aktuelle Umsatzentwicklung bei Boehringer zusehends von Währungseffekten gebremst. Das bisherige Umsatzziel von rund 8 Mrd. Euro werde man daher nicht erreichen, erläutert Krebs. Allerdings wachse das Pharmageschäft des Konzerns in lokalen Währungen weiterhin um gut 10 % und damit schneller als der Weltmarkt. Im ersten Halbjahr steigerte Boehringer den Umsatz um gut ein Fünftel auf 3,7 Mrd. Euro und den Betriebsgewinn um 48 % auf 495 Mill. Euro. Das Ergebnis entwickle sich weiterhin erfreulich und liege deutlich über den Planwerten, sagt Krebs. Für 2002 hat Boehringer bisher ein Ergebnisplus von 12 % in Aussicht gestellt.

Unter der Abwertung von Dollar, Yen und einigen südamerikanischen Währungen leiden derzeit fast alle europäischen Pharmakonzerne. Bei Boehringer ist der Einfluss besonders ausgeprägt, weil der Konzern zuletzt mehr als die Hälfte seiner Umsätze in Nord- und Südamerika sowie ein weiteres Fünftel in Japan erzielte, wo die Position im vergangenen Jahr durch die Mehrheitsübernahme bei der Firma SSP stark ausgebaut wurde.

Krebs ist indessen zuversichtlich, dass Boehringer auch in den Folgejahren aus eigener Kraft um zehn bis elf Prozent pro Jahr wachsen wird und damit auch seine Ertragskraft noch wesentlich verbessern kann. Zwar hat das Unternehmen im kommenden Jahr einen starken Ausbau des US-Außendienstes zu verkraften. Mittelfristig soll sich die operative Rendite jedoch von derzeit etwa 14 % in Richtung 20 % verbessern. "In drei Jahren", prophezeit Krebs, "wird Boehringer wesentlich stärker aussehen."

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