USA als Mittler derzeit zu beschäftigt
Kommentar: Stunde der Europäer im Nahen Osten

Formal hat er schon Recht, der Ministerpräsident Israels. Ariel Scharon hatte eine 48-stündige Waffenruhe zur Bedingung für ein Treffen seines Außenministers Schimon Peres mit Palästinenserchef Jassir Arafat gemacht. Die Feuerpause wurde weitgehend eingehalten - aber eben nicht vollständig.

DÜSSELDORF. Dass Scharon jedoch ein relativ unbedeutendes Scharmützel sowie Drohungen von ultrarechten Koalitionspartnern gleich nutzte, Friedensnobelpreisträger Peres wie einen dummen Schuljungen zurückzupfeifen, kann eigentlich nur einen Verdacht nahe legen: Israels Ministerpräsident ist an einer Friedenslösung derzeit nicht wirklich interessiert. Fragt sich, wie lange Peres die taktischen Schachzüge Scharons noch ertragen kann. Die fortgesetzten Demütigungen des Außenministers könnten schnell in einen Bruch der Koalition münden. Scheitert das ungleiche politische Gespann in Jerusalem, rücken die ohnehin fragilen Aussichten auf eine Friedenslösung im Nahen Osten erst einmal in weite Ferne.

Die Welt hat sich in diesen Tagen zum globalen Kampf gegen den Terror verschworen. Hinter der Monstrosität der Anschläge von New York und Washington drohte der alltägliche Terror in Israel für kurze Zeit dem Blickwinkel der Öffentlichkeit zu entschwinden. Daher ist es umso dringlicher, nicht nur das Netzwerk des internationalen Terrorismus zu zerschlagen, sondern auch Israel und den Palästinensern unmissverständlich klar zu machen, dass sie eine einmalige Gelegenheit haben, um aus dem Strudel von Gewalt und Vergeltung herauszufinden. Der internationale Druck darf nicht nachlassen: Israel und die Palästinenser müssen so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch. Angesichts Scharons Verzögerungstaktik und Arafats Unfähigkeit, die radikalen Kräfte unter den Palästinensern in Schach zu halten, droht die Gewalt sonst wieder zu eskalieren. Die USA sind derzeit mit den Vorbereitungen ihres Kreuzzuges vollauf beschäftigt. Daher schlägt im Nahen Osten jetzt die Stunde der Europäer.

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