USA als "zurückhaltende Supermacht“ bezeichnet
Carter nimmt Friedensnobelpreis entgegen

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hat am Dienstag in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpreis entgegengenommen und dabei die Politik der USA als einziger Supermacht auf der Welt als "zurückhaltend" gelobt.

HB/dpa OSLO. Der 78-Jährige sagte bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus der norwegischen Hauptstadt: "Wir sind nie davon ausgegangen, dass Superstärke dasselbe ist wie Superweisheit und haben uns stets an die internationale Gemeinschaft gewandt, um sicherzustellen, dass unsere eigene Macht und unser Einfluss von einer möglichst breiten gemeinsamen Urteilskraft mit beeinflusst wird."

Carter hatte sich am Vortag ausdrücklich gegen einen militärischen Alleingang der USA gegen den Irak ausgesprochen und jede Militäraktion für den Fall abgelehnt, dass das Regime in Bagdad alle Verpflichtungen gegenüber dem UN-Sicherheitsrat erfüllt. Als zentrales globales Problem überhaupt bezeichnete der US-Politiker die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. "Es ist tragisch, dass es in der industrialisierten Welt so wenig Verständnis oder Bekümmerung für diejenigen gibt, die ihr Leben in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zubringen müssen."

Das norwegische Nobelkomitee hatte Carter den Nobelpreis im Oktober als drittem Präsidenten der USA nach Theodore Roosevelt (1906) und Thomas Woodrow Wilson (1919) zuerkannt. Es begründete die Vergabe an den 78-Jährigen mit dessen "jahrzehntelangen Einsatz zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte". Komiteechef Gunnar Berge sagte in seiner Laudatio, Carter habe den Preis eigentlich schon 1978 zusammen mit dem damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar El-Sadat und Israels Premierminister Menachem Begin für die Friedensvereinbarung von Camp David bekommen sollen. Dies sei aber aus formalen Gründen wegen nicht termingerechter Nominierung unmöglich gewesen. Berge erklärte zu Camp David: "Selten hat ein Mittler eine wichtigere Rolle gespielt als Carter bei dieser Gelegenheit."

Carter war 1976 bis 1980 Präsident der Vereinigten Staaten und hat sich danach häufig als politischer Mittler und für die Durchsetzung von Menschenrechten betätigt. Über diese Aktivitäten sagte Berge: "Jimmy Carter ist vermutlich nicht der effektivste Präsident der Vereinigten Staaten gewesen. Aber er ist völlig sicher der beste Ex- Präsident, den das Land jemals hatte." Der Nobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Mill. ? (10 Mill. schwedischen Kronen) dotiert und wurde im Osloer Rathaus im Beisein des norwegischen Königs Harald V. überreicht.

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