USA: Angriffe aus der Luft, mit Truppen und Spezialeinheiten
Saddam will die „letzte Schlacht“

Martialisch das Aussehen, martialisch der Ton: In Militäruniform, nicht wie in den vergangenen Wochen in Zivil, ließ sich der irakische Diktator Saddam Hussein gestern vom Staatsfernsehen aufnehmen. Irak wählt seinen Weg nicht auf Befehl eines Ausländers und wählt seine Führer nicht auf der Grundlage einer Anordnung Washingtons, Londons oder Tel Avivs", verlas zu den Bildern von der Kabinettssitzung in Bagdad eine Stimme aus dem Off.

HB AMMAN/DÜSSELDORF. Alle Söhne Iraks seien bereit, zu kämpfen und den "Aggressor" zurückzuschlagen. Saddams ältester Sohn Udai Hussein drehte als Reaktion auf das Ultimatum aus Washington den Spieß um und ließ erklären, die einzige Möglichkeit, den Krieg noch zu verhindern, sei ein Rücktritt des kriegstreibenden US-Präsidenten. Er verschärfte den Ton noch und drohte den USA im Falle eines Angriffs mit einer blutigen Schlacht: "Die Ehefrauen und Mütter der Amerikaner, die gegen uns kämpfen, werden Blut weinen, nicht Tränen."

Bei aller orientalischen Rhetorik ist die Botschaft klar: Saddam weist das von George W. Bush gestellte Ultimatum zurück und geht nicht ins Exil. In "Iraks letzter Schlacht" werde sein Land über die Vereinigten Staaten siegen, sagte Udai am Dienstag. Weder er noch sein Vater oder sein Bruder Kusai würden das Land verlassen.

Bereits vorige Woche hatte sich Saddam Hussein geweigert, eine Delegation der Arabischen Liga zu empfangen. Er musste fürchten, dass Vertreter der Golfstaaten ihn zum Verlassen des Iraks auffordern würden. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten einen solchen Vorschlag vor einigen Wochen beim Gipfel der Liga in Scharm-el-Scheich gemacht, dieser war jedoch nicht diskutiert worden.

Zwei Faktoren sprechen dagegen, dass der irakische Machthaber ins Exil geht: Einmal können die USA der Präsidentenfamilie zwar Straffreiheit versprechen, eine Verfolgung durch den Internationalen Gerichtshof oder einzelner Staaten wie Belgien können sie jedoch nicht verhindern. Außerdem spricht alles, was man von der Persönlichkeitsstruktur Saddam Husseins weiß, gegen diese Möglichkeit: Er ist ein Machtmensch: "Für Saddam ist ein Leben ohne Macht kein Leben", sagt der ehemalige saudische Ölminister Scheich Ahmed Zaki al-Yamani.

Amerikaner unter Zeitdruck

Während die Uno-Waffeninspekteure inzwischen das Land verlassen, scheinen die strategischen Pläne der USA und ihrer Verbündeten für den Militärschlag gegen den Irak ebenso unumstößlich. Der Angriff auf Bagdad soll anders geführt werden als beim Golfkrieg 1991, als erst nach fünf Wochen dauernden Luftangriffen die "Operation Desert-Storm" auch auf dem Boden begann und 100 Stunden später der Krieg beendet war. Der Zeitfaktor ist dieses Mal entscheidend. US-Befehlshaber Tommy Franks will das Regime in Bagdad so schnell wie möglich bezwingen, mit gleichzeitigen Angriffen aus der Luft, mit konventionellen Truppen und mit Spezialeinheiten.

130 000 amerikanische und 30 000 britische Truppen warten in Kuwait auf den Einsatzbefehl, der aus dem US-Hauptquartier im Camp As Sajlijah in Katar kommen wird. Ihr Weg soll über den Euphrat nach Bagdad führen. 50 000 Marines, die ebenfalls in Kuwait bereitstehen, sollen Basra und den Schatt-el-Arab an der Grenze zu Iran besetzen, um die Wasserverbindungen zum Persischen Golf unter Kontrolle zu bringen.

Beobachter in der Region glauben, dass die Sache für den Diktator in Bagdad nicht schon mit Beginn der Militärschläge verloren ist, wie die meisten hoffen. Wenn Saddam Hussein zehn Tage lang unauffindbar wäre und seine Truppen Widerstand leisteten, könnten die Amerikaner unter Druck geraten, glaubt der ehemalige libanesische Präsident Amin Gemayel, der kürzlich als Vermittler in Bagdad war. Möglich ist aber auch, dass die irakische Führungsclique so fern der Realität lebt, dass sie die Gefahr nicht erkennt.

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