USA-Arbeitsmarkt: Bevölkerung sieht keinen Nutzen in der Verlagerung von Arbeitsplätzen
Outsourcing bei Amerikanern unbeliebt

Nur magere 16 % der Amerikaner stimmen mit Bushs Wirtschaftsberater Gregory Mankiw überein, dass Job-Outsourcing nach Übersee gut für die US-Wirtschaft sei. Zu diesem Ergebnis kommt das amerikanischen Meinungsforschungs-Institut Harris Interactive. Ein gleich hoher Wert von 16 % ergab sich für die Unentschlossenen, so dass eine überwältigende Mehrheit von 68 % die Darstellung von Bush und Mankiw ablehnt.

Selbst unter den Republikanern stimmen nur 25 % mit der Regierungsmeinung überein, dass es unter dem Strich für die US-Wirtschaft besser sei, das globale Outsourcing-Potenzial voll auszuschöpfen.

Auch im Parlament und bei den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten gibt es Widerspruch. So wollen die republikanischen Gouverneure von Massachusetts und Minnesota mit zweistelligen Millionenbeträgen Incentives schaffen, damit die Firmen die Jobs in ihren Staaten belassen. In 17 Bundesstaaten gibt es schon Gesetzesinitiativen, wonach es Auftragnehmern von Staatsaufträgen verboten werden soll, ausländische Arbeiter für die Ausführung einzusetzen. Kalifornien und fünf andere Staaten wollen sogar Firmen von Staatsaufträgen verbannen, die ihre Call-Center im Ausland betreiben.

Dem gegenwärtigen Wahlkampf entsprechend sind es in Washington vor allem die Demokraten, die gesetzliche Maßnahmen fordern. Deren Kongress-Sprecher Tom Daschle verlangt in "Jobs for American Act", dass den Firmen zur Auflage gemacht wird, geplantes Outsourcing beim Arbeitsministerium anzumelden und die betroffenen Mitarbeiter mindestens drei Monate vorher darüber zu informieren.

Ob sich aber mit diesen Aktionen und der schlechten Stimmung über das Outsourcing auch Wählerstimmen gewinnen lassen, ist zweifelhaft, denn nur 25 % trauen Kerry zu, dass er das Outsourcing-Problem besser lösen könnte als Präsident Bush.

Das liegt möglicherweise auch daran, dass Kerry sich im Gegensatz zu Bush schon weitaus konkreter zu diesem Thema äußern musste. Die Vorwahlen der Demokraten waren überschattet von einem anhaltend schlechten Arbeitsmarkt und zwangen ihn schon vor Monaten, zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Nach seinen bisherigen Reden will er die bestehenden Steuererleichterungen auf die im Ausland erwirtschafteten Gewinne streichen und dafür die allgemeine Unternehmensbesteuerung von 35 % auf 33,25 % absenken.

Bush selbst hat sich bislang nicht so konkret wie Kerry oder sein Wirtschaftsberater Mankiw geäußert. In seiner jüngsten Wirtschaftsrede lobte Bush nur ganz allgemein den Welthandel und die Globalisierung und kritisierte Kerrys Vorschläge, die nationalistisch seien und die 7 Mio. Arbeitsplätze gefährden, die in den USA von BMW, Toyota und Nokia geschaffen wurden.

Einen Ausweg aus dem Argumentationsdilemma der Politiker zeigt jedoch die Harris-Umfrage auf. Die allgemeine Ablehnung des Outsourcings in der Bevölkerung ändert sich schlagartig, wenn es um das eigene Geld geht. So wurde die Frage "Sollen Firmen outsourcen, wenn dadurch die Produkte in den USA billiger werden?", von der Hälfte mit Ja beantwortet.

Quelle: VDI Nr. 018 vom 30.04.2004 Seite 33

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