USA-Arbeitsmarkt: Outsourcing in der Krise
Arbeitsplätze kommen aus Indien zurück

In den USA mehren sich die Berichte, wonach das Outsourcing von qualifizierten Hightech-Jobs nach Indien oder China nicht immer so wirtschaftlich ist, wie anfangs erhofft.

Nicht wenige Unternehmen in den USA machen zurzeit eine erstaunliche Erfahrung: Bei vielen Projekten war das Auslagern von Hightech-Leistungen nämlich teurer als wenn die Arbeit im Land erledigt worden wäre. Als allgemeine Ursache werden eine geringere Produktivität, ein zusätzlicher Managementaufwand im Heimatland sowie die erheblichen Kommunikations-Kosten genannt.

"Wir haben vor drei Jahren angefangen, unsere Software-Entwicklungskosten durch Outsourcing zu senken, aber kein Modell hat richtig funktioniert", sagt Hemant Kurade, Technologie-Chef bei Storabilty-Software in Southborough, Massachusetts. Kurade ist selbst Inder und hat am Indian Institute of Technology im heutigen Mumbai studiert. "Der Wissens- und Leistungsstand, vor allem beim Einsatz von Tools und Methoden, ist in den USA viel weiter entwickelt als in Indien", gibt er als Begründung dafür an, dass er den eigenen Programmierstab kräftig ausgebaut hat.

Mit diesen Erfahrungen ist er in den USA nicht alleine. So berichtet beispielsweise auch Dev Ittycheria, Chef des Netzwerk-Anbieters Bladelogic, dass man schon bald nach den ersten Outsourcing-Aufträgen an einen indischen Software-Entwickler festgestellt hätte, dass sich das Projekt niemals rechnen wird. "Die Kosten für die Programmierstunde lagen zwar nur bei einem Drittel unserer Kosten - die Leistung aber deutlich darunter", gibt er als Begründung an, warum er inzwischen seine gesamten Entwicklungsarbeiten wieder zurück in den eigenen Betrieb geholt hat.

"Outsourcing ist zum Hype geworden, doch der Zenit naht, weil immer mehr Firmen erkennen, dass sie ihre erhofften Produktivitätsziele nicht erreichen", prophezeit Bladelogics Technologie-Chef Vijay Manwani, der ebenfalls in Indien ausgebildet wurde.

Auch die aggressiven indischen Outsourcing-Akquisiteure in den USA wissen um derartige Probleme und bestätigen diese immer häufiger: "Nicht alles ist fürs Outsourcing geeignet. Je mehr Kreativität in einem Projekt involviert ist, umso weniger eignet es sich für das Auslagern nach Übersee", sagt Nariman Behravesh, Chefberater von Global Insight, einer auf Outsourcing spezialisierten Consulting-Agentur in Waltham, Massachusetts.

Selbst Indiens bekannteste Softwareschmiede, Infosys Technologies, schlägt inzwischen moderate Töne an. "Wenn das Innovationstempo in dem Projekt groß ist, sollten die Arbeiten besser in unmittelbarer Kundennähe stattfinden", bestätigte deren internationaler Vertriebschef Bassab Pradham.

Autor: Harald Weiss

Quelle: VDI Nachrichten Nr. 019 vom 7.05.2004 Seite 37

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