USA attackieren Taliban mit B-52-Bombern
USA setzen Flächenbombardements nahe Kabul fort

Die US-Luftwaffe hat am Freitag strategisch wichtige Hügel nördlich von Kabul bombardiert und damit offenbar versucht, die in Afghanistan regierenden Taliban vor einer Offensive der Nordallianz zu schwächen.

Reuters KABUL. Mit Flächenbombardements auf Stellungen nördlich von Kabul haben die USA am Freitag versucht, die regierenden Taliban vor einer Offensive der Opposition auf die afghanische Hauptstadt weiter zu schwächen. Ein Kommandeur der oppositionellen Nordallianz sagte, die Hügel oberhalb des Flughafens Bagram seien mehrmals mit B-52-Bombern angegriffen worden. Bagram wird von der Opposition gehalten, liegt aber in Reichweite der Taliban-Geschütze. Kabul wurde erstmals seit vier Tagen wieder angegriffen. Die Türkei, die den USA Unterstützung zugesagt hat, befürwortete eine Fortsetzung der Angriffe im Fastenmonat Ramadan. Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) plädierte für die Einrichtung von UNO-Schutzzonen für afghanische Zivilisten und kritisierte die US-Militärstrategie.

Langstreckenbomber vom Typ B-52 flogen nach Angaben oppositioneller Kommandeure ohne Gegenwehr der Taliban Angriffe auf Stellungen nördlich von Kabul. Kommandeur Mustafah von der Nordallianz sagte Reuters, er habe von seiner Stellung in Rabat aus mindestens zwei Angriffswellen der US-Luftwaffe gesehen. Pro Welle seien in den Tutachan-Höhen nördlich Kabuls zwischen zehn und zwölf Explosionen zu beobachten gewesen, die mit ihrer Wucht auch Häuser in einiger Entfernung von der Front erschüttert hätten.

Drei B-52-Bomber waren zuvor in niedriger Flughöhe über die Hauptstadt Kabul geflogen. Dabei gab es keine Anzeichen für eine Reaktion der Luftabwehr der Taliban. "Sie flogen so niedrig, dass man alles sehen konnte", sagte ein Reuters-Reporter. "Alle gingen auf die Straße, um das zu sehen." Auf den Norden der Stadt fiel anscheinend eine einzelne Bombe.

Die Nordallianz, die die USA zu verstärkten Angriffen auf die Taliban-Front aufgefordert hatte, teilte mit, sie bereite ihre Truppen auf eine Offensive auf Kabul vor. Am Mittwoch hatte ein Kommandeur der Nordallianz gesagt, der Angriff könne innerhalb von fünf Tagen beginnen. Die USA hatten bereits angekündigt, dass sie ihre Angriffe auch während des Mitte November beginnenden Fastenmonats Ramadan fortsetzen werden. Die Türkei, das einzige mehrheitlich moslemische NATO-Mitglied, stärkte der Führungsmacht der Allianz in diesem Punkt den Rücken. Ein Sprecher des türkischen Präsidenten Necdet Sezer sagte: "Der Terrorismus respektiert keine heiligen Werte, Feste oder den Ramadan". Die Türkei sei als mehrheitlich moslemisches Land zwar für die Rücksichtnahme auf religiöse Werte, doch resultiere daraus nicht die Forderung nach einer Waffenpause. Die türkische Regierung hatte den USA am Donnerstag die Entsendung von 90 Elitesoldaten für den Feldzug in Afghanistan zugesagt.

Die von den USA angekündigte Fortsetzung der Angriffe im Ramadan würde zwar kein moslemisches Tabu brechen, könnte aber anti-amerikanische Stimmungen in vielen moslemischen Staaten anheizen. Die US-Luftangriffe auf Stellungen der Taliban und der extremistischen Gruppe El Kaida halten seit dem 7. Oktober an. Die USA fordern die Auslieferung des moslemischen Extremisten Osama bin Laden. Sie machen Bin Laden und seine Gruppe El Kaida für die Anschläge in New York und Washington am 11. September verantwortlich, bei denen rund 5000 Menschen starben.

Vollmer sagte "Spiegel Online" am Freitag, es müsse "Rückzugsmöglichkeiten innerhalb Afghanistans geben, damit die Zivilbevölkerung nicht zur Geisel des Krieges wird". Die Schutzzonen sollten "mit massiver militärischer Präsenz" gesichert werden, möglichst durch Truppen der Vereinten Nationen (UNO) aus muslimischen Ländern, sagte Vollmer, die mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vergangene Woche nach Indien und Pakistan gereist war. Die Bundesregierung hat den USA die "uneingeschränkte Solidarität" Deutschlands zugesagt und Forderungen etwa aus den Reihen der Grünen nach einer Feuerpause zur Versorgung der Zivilbevölkerung abgelehnt.

Vollmer sagte mit Blick auf die Flüchtlinge, fast alle Grenzen Afghanistans seien geschlossen, die Aufnahmekapazität der Nachbarländer sei erschöpft. Vollmer übte deutliche Kritik an der militärischen Strategie der USA. "Das Beunruhigende an diesen Aktionen ist, dass kein Ziel erkennbar ist, noch nicht einmal nach militärischer Logik", sagte Vollmer.

Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner sprach sich unterdessen bei einem Besuch in Usbekistan für ein Ende der Kampfhandlungen in absehbarer Zukunft aus. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem usbekischen Kollegen Abdulasis Kamilow sagte Ferrero-Waldner in Taschkent: "Ich hoffe persönlich, dass die Militärangriffe in nicht allzu ferner Zukunft beendet sein werden. Wir wissen, dass sie (die Angriffe) notwendig sind, aber sie müssen auch produktiv sein.

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