USA-Besuch kein "kein Bußgang"
Fischer und Powell führen "Krisengespräch"

Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein US-Kollege Colin Powell haben gemeinsam den Willen demonstriert, die schwer belasteten deutsch-amerikanischen Beziehungen wieder zu normalisieren.

HB/dpa WASHINGTON. Die Differenzen in der Irak-Politik blieben zwar weiter bestehen, betonten beide am Mittwoch (Ortszeit) nach Fischers erstem Besuch in Washington seit der Bundestagswahl. Doch es bestehe Zuversicht, dass die Spannungen mit der Zeit abgebaut würden, sagten Fischer und Powell nach dem "Krisengespräch".

Powell sagte nach dem 45-minütigen vertraulichen Treffen mit Fischer: "Wir sind zwei Freunde und Verbündete, die sich gelegentlich Uneinigkeit und Unebenheiten gegenüber sehen." Als jahrzehntelange Verbündete müssten beide Länder ihre Meinungsunterschiede aber nicht verstecken. "Wir werden Wege finden, diese Streitpunkte in einiger Zeit hinter uns zu lassen", sagte Powell. Fischer war am Mittwoch zu einem dreitägigen Besuch in den USA eingetroffen. Ein Termin im Weißen Haus war jedoch nicht geplant. Nächste Station ist New York, wo der Minister am Freitag UN-Generalsekretär Kofi Annan treffen wird.

"Offener und vertrauensvoller Ton"

Fischer sprach nach dem Treffen mit Powell von einem "sehr offenen und vertrauensvollen Ton". Die Skepsis der Bundesregierung gegenüber einer möglichen Militäraktion gegen den Irak bleibe aber bestehen. Zugleich bekräftigte Fischer die Ablehnung einer deutschen Beteiligung an einem Irak-Krieg. Weiter sagte er: "Wir werden die Differenzen in der Familie diskutieren und versuchen, sie auszuräumen." Seine Reise nach Washington sei hilfreich gewesen, um die vorhandenen "atmosphärischen Störungen abzubauen". Fischer wies Vorwürfe zurück, dass durch die deutsche Anti-Kriegshaltung und die harte Wahlkampfrhetorik politischer Schaden entstanden sei. "Wir sind dabei, die Irriatationen auszuräumen", sagte er. "Der heutige Tag hat viel dazu beigetragen."

Zu der Debatte im Weltsicherheitsrat um eine neue Irak-Resolution sagte Fischer, er hoffe auf Geschlossenheit der fünf ständigen Mitglieder, um an das Regime in Bagdad ein "starkes Signal" zu senden. UN-Chefinspekteur Hans Blix müsse unverzüglich mit den Waffeninspektionen im Irak beginnen können. Powell sagte, die USA akzeptierten keine Resolution, "die dem US-Präsidenten Handschellen anlegt".

Die bilateralen Beziehungen waren wegen der Irak-Politik und des harten deutschen Wahlkampf in die Krise geraten. Der angebliche Vergleich der Irak-Politik von US- Präsident George W. Bush mit Hitler-Methoden durch die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hatte das Zerwürfnis weiter vertieft.

Fischer wies Berichte zurück, wonach die USA Deutschland als Bedingung für eine Verbesserung der Beziehungen konkrete Forderungen gestellt hätten. "Wir müssen den Amerikanern nichts vorweisen." Seine USA-Reise sei auch "kein Bußgang".

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