USA betrachten Afghanistan als "Rückzugsort" für Terroristen
Die Schwarze Liste des US-Außenministeriums

"Terroristen suchen Zuflucht in 'Sümpfen', wo die Regierungskontrolle schwach ist oder wo die Regierungen mit ihnen sympathisieren. Wir versuchen, diese Sümpfe auszutrocken." Die Ankündigung aus einem Bericht des US-Außenministeriums für 1999 konnte nicht umgesetzt werden.

afp WASHINGTON. Nach den Anschlägen von New York und Washington gehen viele Sicherheitsexperten in den USA davon aus, dass die Täter staatliche Unterstützung bekamen. Präsident George W. Bush drohte, es sollten nicht nur Einzelne bestraft werden, sondern auch Länder, die den Terroristen Zuflucht gewähren.

Seit Jahren führt das US-Außenamt in einer Schwarzen Liste jene Länder auf, denen Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen wird. Die jüngste Liste stammt von 1999, doch die gelisteten Staaten haben sich seit 1993 nicht verändert: Iran, Irak, Kuba, Libyen, Nordkorea, Sudan und Syrien. Afghanistan, auf dessen Rolle sich nach den Terroranschlägen vom Dienstag die Spekulationen konzentrieren, taucht in dieser Liste nicht auf. Dies hat allerdings eher formale Gründe: Die herrschenden Taliban-Fundamentalisten werden von Washington nicht anerkannt, Afghanistan deshalb "nicht als Staat betrachtet", wie ein Ministeriumssprecher sagt. Der Bericht geht ansonsten ausführlich auf die Rolle der Taliban ein, unter denen Afghanistan zu einem "Trainingsplatz" und einer Operationsbasis für weltweite terroristische Aktivitäten" geworden sei.

Im Folgenden ein Überblick über Kernpunkte des Berichts. Zu beachten ist, dass er sich auf den Stand von 1999 bezieht:

AFGHANISTAN: Das Land sei der "wichtigste Rückzugsort" für Terroristen in Südasien, heißt es. Zwar seien die Taliban nicht direkt feindlich gegenüber den USA eingestellt, doch gewährten sie dem islamischen Fundamentalistenführer Osama Bin Laden Zuflucht. Terroristen aus der ganzen Welt, darunter auch den USA und Europa, nutzten das Land als Basis.

PAKISTAN: Das Land sende "gemischte Botschaften" zum Terrorismus aus, heißt es. Zwar habe die Regierung bei Festnahmen und Auslieferungen kooperiert, doch toleriere es andere Terroristen, die im Land wohnten. Pakistan habe Gewalttäter im Kaschmir und indirekt auch Terroristen in Afghanistan unterstützt. Die Regierung in Islamabad erkennt die Taliban als Regierung Afghanistans an.

IRAN: Teheran wird als der "aktivste staatliche Förderer des Terrorismus" bezeichnet. Institutionen wie die Revolutionäre Korpsgarde und das Geheimdienstministerium seien an der Planung und Ausführung terroristischer Akte beteiligt gewesen. Der Bericht erwähnt unter anderem Anschläge auf iranische Oppositionelle im Ausland und Unterstützung der PKK-Rebellen in der Türkei.

IRAK: Der staatlich geförderte Terrorismus richtete sich vor allem gegen Oppositionelle im In- und Ausland, heißt es. Daneben gewähre das Regime verschiedenen terroristischen Gruppierungen Zuflucht, darunter radikalen Palästinensern.

LIBYEN: Die Auslieferung der Beschuldigten im Lockerbie-Fall wird als "wichtiger Schritt" gewürdigt. Die Erklärungen von Revolutionsführer Muammar el Ghaddafi, Libyen habe sich vom Terrorismus distanziert, betrachtet das Außenamt gleichwohl mit Vorsicht.

SYRIEN: Der Bericht hebt die Unterstützung des Landes für palästinensische Terroristen und die radikalislamische Hamas-Bewegung hervor.

SUDAN: Das afrikanische Land diene als Schaltstelle für zahlreiche terroristische Gruppierungen, darunter die von Bin Laden, die libanesische Hisbollah und die Hamas, heißt es. Die meisten dieser Gruppierungen hätten Vertretungen in der Hauptstadt Khartum. Die Regierung habe diesen Gruppen unter anderem Reisedokumente ausgestellt und sicheres Geleit gewährt.

NORDKOREA: Das kommunistische Land wurde wegen Unterstützung einer japanischen Untergrundbewegung, der Japanischen Kommunistischen Liga/Rote Armee Fraktion in die Liste aufgenommen.

KUBA: Der Karibikstaat habe Terroristen aus dem Baskenland sowie aus den USA Zuflucht gewährt, konstatiert der Bericht. Ferner unterhalte die Regierung von Fidel Castro Verbindungen zu lateinamerikanischen Rebellengruppen.

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