USA brandmarken Handel mit Ländern der „Achse des Bösen“
Moskaus Freunde bereiten Washington Sorge

Die US-Beziehungen zum Kreml haben sich in letzter Zeit deutlich verschlechtert. Vor allem Russlands demonstrativ enge Handelsbeziehungen zu Nordkorea, Iran und den Irak stoßen den USA böse auf.

MOSKAU. Die Warnung war nicht zu überhören. Vor dem heutigen Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il in Wladiwostok haben die USA lautstark ihre Bedenken gegen Moskaus Handelsbeziehungen zu von Washington als "Achse des Bösen" gebrandmarkten Ländern angemeldet. Die geplante Ausweitung des Handels mit dem Irak rücke Russland in die Nähe der Terror-Staaten, sagte US--Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Indirekt drohte der Pentagon-Chef nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush sogar damit, Westinvestoren von einem Russland-Engagement abzuhalten: Moskau werde das am eigenen Portemonnaie zu spüren bekommen. Der Kreml müsse wissen, dass die Beziehungen zu den USA wichtiger seien als zu Saddam Hussein.

Unbeeindruckt vom unüberhörbaren Ärger der Amerikaner trifft Putin heute Nordkoreas Diktator, bereitet Moskau ein Milliarden-Abkommen mit Bagdad vor und plant den Bau weiterer Atomkraftwerke im Iran. Zudem verhandelt der russische Premier Michail Kasjanow derzeit in Peking über eine intensive Waffen- und Atom-Kooperation mit China.

Während sich Nordkoreas Staats- chef Kim in Russlands Fernem Osten unverhohlen nach weiteren Rüstungslieferungen Russlands umsieht, wiegelt Moskau ab. Im Rahmen der G8-Industriestaaten sei Moskau der wichtigste Vermittler zu Pjöngjang, sagt Michail Margelow, Vorsitzender des Außenausschusses des russischen Oberhauses. Daneben habe Russland in Nordkorea "erhebliche wirtschaftliche Interessen". Härter formuliert es der Vorsitzende des Komitees für Sicherheit und Verteidigung des Föderationsrates, Viktor Oserow: Russland werde auf niemanden hören, wenn es um eigene Interessen gehe und vor allem nicht "den Amerikanern auf den Mund starren".

Diese Töne sind das Ergebnis der selbstbewussten Politik des Kremlherrn, der seit seiner Wahl vor zweieinhalb Jahren Russlands außenpolitischen Kurs grundlegend geändert hat. Nach den Terroranschlägen am 11. September segelte Putin klar auf Westkurs. Das führte zu einer engen Einbindung in die Anti-Terror-Allianz unter Führung der Amerikaner, zur Kooperation im neuen Nato-Russland-Rat und zur Aufwertung Moskaus als vollwertiges Mitglied der G8. Wirtschaftlich allerdings - abzulesen an Zufluss von Auslandsinvestitionen - hat sich Putins Annäherungspolitik bislang für das Russland nicht ausgezahlt.

Dabei zählen die Verteidigung ökonomischer Interessen und die Schaffung eines russland-freundlichen Klimas bei den Nachbarn zu den Grundlagen der Putinschen Außenpolitik. Verärgert hat Moskau darüber hinaus, dass Washington einseitig den ABM-Abrüstungsvertrag gekündigt hatte. Seither wendet sich Russland wieder den so genannten Outlaw-Staaten zu.

Außerdem mehren sich in Russland Ängste, im Zuge der aggressiven Politik der USA gegenüber der von Bush deklamierten "Achse des Bösen" wirtschaftlich unter die Räder zu kommen: So könnten die Milliarden-Schulden Pjöngjangs und Bagdads gegenüber dem Kreml bei der Inthronisierung neuer Regierungen in diesen Ländern wertlos werden. US-Konzerne könnten sich in die Verträge im Volumen von 40 Mrd. $ mit Irak drängen, die Moskau und Bagdad binnen eines Monats in den Bereichen Öl, Strom, Bewässerung, Chemie und Transport schließen wollen. Auch vom angekündigten Bau russischer Atomkraftwerke im Iran will das Weiße Haus den Kreml abbringen. Russland hingegen setzt alles daran, seine ebenfalls mit 40 Mrd. $ bezifferten ökonomischen Interessen im Iran zu verteidigen.

Besorgt sind die USA auch über Russlands führende Rolle bei der Aufrüstung Pekings. China könne die USA besiegen, wenn es seine Schwäche in Stärke umwandle und "die US-Verwundbarkeit bei asymmetrischer Kriegsführung" ausnutze, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Report der vom US-Kongress finanzierten US-China Sicherheitskommission.

Quelle: Handelsblatt

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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