USA drängen UN zu Vorsorge im Irak
Verstärkter Truppen-Aufmarsch am Persischen Golf

Die Vorbereitungen für einen möglichen Krieg gegen den Irak nehmen immer mehr Gestalt an. Die USA drängen die Vereinten Nationen, sich auf eine etwaige humanitäre Krise im Irak im Kriegsfall einzurichten.

HB/dpa NEW YORK/LONDON. Zugleich lehnte Washington ein irakisches Angebot ab, Mitarbeiter des Geheimdienstes CIA an den Waffeninspektionen im Land teilnehmen zu lassen. Die Beweislast liege allein bei Bagdad. Angesichts zunehmender Vorkehrungen der USA und Großbritanniens für einen möglichen Krieg sprach sich der Vatikan gegen einen einseitigen Präventiv-Angriff auf den Irak ohne Zustimmung der Vereinten Nationen aus.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge bedeutet der verstärkte Aufmarsch von US-Truppen am Persischen Golf keine Vorentscheidung über einen Krieg gegen den Irak. "Die umsichtigen und abgewogenen Schritte" sollten die diplomatischen Bemühungen um die Abrüstung des Iraks unterstützen, sagte Rumsfeld am Montag in Washington. Gewaltanwendung sei das letzte Mittel. Nach Medienberichten wird das Pentagon von Januar an weitere 50 000 Mann in die Region schicken und die Truppenstärke verdoppeln.

Die "Washington Post" hatte berichtet, die USA wollten im Januar weitere 50 000 Soldaten in die Golfregion entsenden, so dass ein Angriff Ende Januar oder Anfang Februar möglich wäre. Laut "New York Times" testen sie bereits mit Marschflugkörpern ausgerüstete unbemannte "Predator"-Flugzeuge in der südirakischen Flugverbotszone. Am Montag gelang es der irakischen Flugabwehr, eine der Drohnen in diesem Luftraum abzuschießen. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) meinte in einem "Spiegel Online"-Interview, es sei bedrückend zu sehen, "dass die US-Regierung anscheinend unabhängig von jedem Ergebnis der Waffeninspektoren den Krieg vorbereitet".

Nach Angaben aus UN-Kreisen hat sich Washington ausführlich über den Stand von Vorkehrungen der Vereinten Nationen zu humanitärer Hilfe im Irak erkundigt. Das vertrauliche Gespräch zwischen Vertretern der UN und den USA habe auf Initiative Washingtons am vergangenen Freitag in New York stattgefunden. Die Vereinten Nationen bestätigten, dass sie Mitte Dezember mit Vertretern von Geberländern zusammengekommen sind und Hilfe für die irakische Bevölkerung im Kriegsfall erörtert hätten. UN-Sprecherin Hoa Jiang bezeichnete diese Zusammenkunft am Montag als ein "Routinetreffen".

Der Berater des irakischen Präsidenten, General Amir al Saadi, hatte am Sonntag erklärt, der Irak sei bereit, jede Frage der USA und Großbritanniens zu dem rund 12 000 Seiten umfassenden irakischen Waffendossier zu beantworten. Weitere Dokumente über "Lücken" in der Erklärung, die UN-Waffeninspekteure festgestellt hatten, werde Bagdad dagegen nicht übergeben. Saadi lud dagegen CIA-Mitarbeiter ein, Waffeninspekteure zu Orten zu führen, an denen vom CIA Produktionsstätten für Massenvernichtungswaffen vermutet würden. Das Weiße Haus in Washington sagte dazu, die Beweislast, dass Bagdad keine Massenvernichtungswaffen herstelle, liege beim irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

Die UN treffen Vorkehrungen dafür, Lebensmittel für etwa 900 000 Flüchtlinge zu sammeln. Sie hätten Geberländer aufgerufen, rund 37 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Es werde befürchtet, dass bei einem Krieg die Infrastruktur des Irak stark beschädigt würde. Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz stellt sich auf eine etwaige US-Invasion am Golf ein und rief zu Spenden auf.

Der vatikanische "Außenminister", Erzbischof Jean-Louis Tauran, sprach jedem Land das Recht ab, einseitig und ohne Absprache mit den Vereinten Nationen zu den Waffen zu greifen. "Wenn das so wäre, würde das ganze System internationaler Regelungen zusammenbrechen. Es bestünde die Gefahr, dass das Gesetz des Dschungels herrscht", sagte er in der der römischen Zeitung "La Repubblica".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%