USA fühlen sich provoziert
Nordkoreanische Kampfjets fangen US-Flugzeug ab

Die USA haben verärgert auf den Einsatz von nordkoreanischen MiG-Kampfflugzeugen reagiert, die am Sonntag nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums ein US-Aufklärungsflugzeug abgefangen hatten. Die USA würden offiziell Protest einlegen, verlautete am Montag aus Regierungskreisen. Der Vorfall verdeutlichte Experten zufolge die Gefahr, dass der Streit über das nordkoreanische Atomprogramm außer Kontrolle geraten und zu einem Krieg führen könnte.

Reuters WASHINGTON. China rief beide Staaten zur Besonnenheit auf. Nordkorea könnte schon bald eine Wiederaufbereitungsanlage wieder in Betrieb nehmen, mit der waffentaugliches Plutonium hergestellt werden kann, verlautete am Dienstag aus Nordkorea nahe stehenden Kreisen in Japan.

Bei dem Einsatz der Abfangjäger handle es sich um eine besondere Provokation, hieß es in den hochrangigen US-Kreisen weiter. Sie habe "das Potenzial, unsere Verbündeten (in Asien) noch mehr zu verängstigen als vorangegangene Provokationen." Bislang sei noch unklar, auf welchem Weg Protest eingelegt werden würde. Eine Möglichkeit wäre ein Protest bei der Uno-Botschaft Nordkoreas in New York. Ein offizieller Protest könnte einen Strategiewechsel der USA im Streit mit Nordkorea markieren, denn bislang hatten die USA Nordkoreas Verhalten in dem Streit häufig heruntergespielt, so etwa einen Raketentest kurz vor der Vereidigung des südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums hatten vier nordkoreanische MiGs das US-Flugzeug vom Typ RC-135 in internationalem Luftraum 240 Kilometer vor der nordkoreanischen Küste abgefangen. Sie hätten das Flugzeug rund 20 Minuten lang verfolgt und seien zu einem Zeitpunkt bis auf 15 Meter herangekommen, sagte ein Sprecher. Nordkorea hatte den USA in den vergangenen Tagen wiederholt vorgeworfen, mit Spionageflugzeugen in den nordkoreanischen Luftraum eingedrungen zu sein und einen Atomkrieg gegen Nordkorea vorzubereiten.

Experten: Nordkorea treibt gefährliches Spiel

Experten werteten den Vorfall als "gefährliches Spiel" Nordkoreas, um die Aufmerksamkeit der USA zu gewinnen. "(Nordkoreas Präsident) Kim Jong Il glaubt, er muss etwas tun, um wieder auf die Titelseiten zu kommen", sagte der Präsident des Pazifik-Forums CSIS, Ralph Cossa, der Nachrichtenagentur Reuters. Im Falle eines Zusammenstoßes von Flugzeugen bestehe die Gefahr eines Krieges, sagte Cossa. "Es würde ein unglaublicher Druck auf (US-Präsident George W.) Bush lasten, mit einem Militärschlag zu antworten, wenn Amerikaner ihr Leben verlören", sagte Cossa. Nordkorea verfügt über das fünftgrößte Militär der Welt und soll die drittgrößten Vorräte an chemischen Waffen besitzen.

Viele Politikexperten glauben, dass Nordkorea versucht, die USA zu Gesprächen zu zwingen, um das Überleben des verarmten Staates zu sichern. Die USA haben direkte Gespräche jedoch bislang vermieden und die Vermittlung von Nachbarstaaten Nordkoreas gesucht. "Wir hoffen, dass in der jetzigen Situation alle Seiten einen kühlen Kopf bewahren und Zurückhaltung üben, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und im Nordosten Asiens zu sichern", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Der Atomstreit mit den USA könnte sich durch die Inbetriebnahme der Wiederaufbereitungsanlage in Yongbyon weiter verschärfen. "Dies ist eine Frage der Zeit", erfuhr Reuters aus Kreisen in Tokio. Der Aktienmarkt in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul reagierte auf die Äußerungen mit Abschlägen. Die USA warfen Nordkorea im Oktober vor, die Herstellung von Atomwaffen zu planen und stellten Öllieferungen an das Land ein. Nordkorea hat daraufhin den Atomwaffensperrvertrag aufgekündigt und einen Forschungsreaktor wieder angefahren. Nach eigenen Angaben will Nordkorea damit Energieengpässe ausgleichen.

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