USA für Diplomatie
Rumsfeld: Nordkorea hat bereits Atombomben

Die USA setzen nach dem Eingeständnis eines nordkoreanischen Atomwaffenprogramms auf eine diplomatische Lösung. Die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erklärte am späten Donnerstagabend (Ortszeit), im Gegensatz zu der Lage im Irak sei im Fall Nordkorea vermutlich internationaler Druck Erfolg versprechend.

HB/dpa WASHINGTON. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, er gehe davon aus, dass die Nordkoreaner nicht nur ein Kernwaffenprogramm hätten, sondern auch bereits im Besitz einiger Atomwaffen seien.

Nach amerikanischen Medienberichten wollten Staatssekretär John Bolton und der Außenamts-Abteilungsleiter James Kelly bei ihren Gesprächen am Freitag in China über das nordkoreanische Atomprogramm sprechen. Die chinesische Regierung, eine der wenigen Verbündeten Nordkoreas, hatte am Vortag erklärt, sie wolle keine Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel sehen. Bolton wollte anschließend nach Moskau weiterreisen und dort ebenfalls über Nordkorea sprechen.

Das Thema soll auch beim Treffen zwischen US-Präsident George W. Bush und dem chinesischen Staatschef Jiang Zemin am 25. Oktober in Texas erörtert werden. Bush betrachtet die Existenz des geheimen Kernwaffenprogramms in Nordkorea als "ernsten Verstoß", sieht aber keine Parallelen zum Irak. Der Präsident wolle trotz der "Besorgnis erregenden, ernüchternden Nachricht" eine friedliche Lösung anstreben, sagte ein Sprecher.

Bushs Sicherheitsberaterin Rice bemühte sich, den Unterschied zwischen Nordkorea und Irak herauszustellen, obwohl der Präsident beide Länder als Teil einer "Achse des Bösen" betrachtet. Sie hoffe, dass bei Nordkorea internationaler Druck helfe. "Bei Saddam Hussein haben wir alles versucht. Nichts hat funktioniert", sagte sie im Fernsehsender ABC.

Rumsfeld erklärte unterdessen, er sei nicht überrascht über das nordkoreanische Eingeständnis. Er gehe davon aus, dass die Nordkoreaner einige Atomwaffen hätten. "Niemand, dem ich vertraue, hat sie tatsächlich berührt, aber ich glaube, sie haben eine kleine Anzahl Atomwaffen", sagte der Minister. Aus Pentagonkreisen verlautete, die USA gingen davon aus, dass Nordkorea über zwei Atombomben verfügt.

Die Internationale Atombehörde in Wien zeigte sich "tief besorgt" über das nordkoreanisches Kernwaffenprogramm. Sie forderte die Regierung in Pjöngjang auf, sich näher zur Existenz des Programms zu äußern. "Wir brauchen dringend eine Reaktion von Nordkorea sowie mehr Informationen von den USA, die uns erlauben, diesen sehr ernst zu nehmenden Beschuldigungen nachzugehen", sagte IAEO-Direktor Mohammed el Baradei in Wien.

Am Freitag dementierte Pakistan amerikanische Presseberichte, wonach es Nordkorea bei dem Atomwaffenprogramm geholfen habe. Ein entsprechender Pressebericht sei "absoluter Unsinn und unbegründet", sagte der Sprecher des pakistanischen Militärmachthabers Pervez Musharraf, General Rashid Qureshi. Die "New York Times" hatte unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtet, Pakistan habe Gaszentrifugen zur Anreicherung von Uran an Nordkorea geliefert und dafür Raketen erhalten. Es gibt schon seit Jahren Vermutungen, dass die pakistanische Mittelstreckenrakete "Ghauri" auf nordkoreanischer Technologie basieren könnte.

Unterdessen signalisierte Südkorea, dass es Nordkorea bei einer neuen Runde ranghoher Regierungsgespräche an diesem Wochenende zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms bewegen wolle. Seoul werde bei dem geplanten Treffen auf Ministerebene in Pjöngjang seine Position deutlich machen und von Nordkorea die Einhaltung von Zusagen in internationalen Atomvereinbarungen fordern, sagte am Freitag der Sprecher der südkoreanischen Delegation, Rhee Bong Jo, vom Vereinigungsministerium, in Seoul. Zur Besprechung der Lage wird zur gleichen Zeit der US-Außenamtsabteilungsleiter Kelly in Seoul sein.

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