USA
George W. Bush – Bilanz eines Präsidenten

Die Amerikaner haben die acht Jahre George W. Bush abgehakt. Ihr Urteil lässt sich an seinen miserablen Sympathiewerten ablesen. Was bleibt von der Ära Bush?

WASHINGTON. Er ist der unpopulärste Präsident seit Harry Truman. Seine Politik bekommt konstant die schlechtesten Noten von Experten und Historikern. Das Erbe, das er seinem Nachfolger hinterlässt, gilt als katastrophal. Auf Jahre wird der Name von George W. Bush mit Stichworten wie Guantanamo, Abu Ghraib, Katrina, der Foltermethode des Water-Boardings oder Subprime-Krise verbunden bleiben.

Während der letzten acht Jahre sank der Ruf der USA im Ausland auf einen Tiefpunkt. Und die Chronisten werden ebenfalls vermerken, dass unter Bush weder ein neues Einwanderungsgesetz noch eine Reform des Gesundheitssystems verabschiedet wurden. Dafür aber kletterte das Budgetdefizit in schwindelnde Höhen.

Allerdings: Ähnlich wie bei Truman könnte die Präsidentschaft von George W. Bush eines Tages vielleicht doch in etwas milderem Licht gesehen werden. Warum? Weil Bush in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit einen unauffälligen, aber in vielen Bereichen grundlegenden Kurswechsel vollzogen hat.

Der offensichtliche Fixpunkt dabei ist die Situation im Irak. Nach den Kongresswahlen im Herbst 2006, bei denen die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verloren, entließ er seinen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und machte den Weg für eine neue Irak-Strategie frei. Mit Robert Gates übernahm ein Politiker die Führung im Pentagon, der abseits von Ideologie die Lage analysierte. Gates in Washington und General David Petraeus in Bagdad steuerten einen Kurs, der die letzte Chance für eine Kriegswende im Irak bedeutete. Statt – wie von vielen gefordert – den schnellen Rückzug einzuleiten, versuchten Bush, Gates und Petraeus das Gegenteil: Mit einer Aufstockung der US-Truppen und dem Kooperationsangebot an bisherige Rebellen sollte die Spirale der Gewalt gebrochen und Raum für Politik im Irak geschaffen werden.

Zumindest das Niveau der Gewalt ist seither deutlich zurückgegangen. In Bagdad werden inzwischen Barrikaden ab- statt aufgebaut; in manchen Vierteln ist inzwischen sogar wieder eine Art Alltag eingekehrt. Allerdings mussten sich viele Menschen eine neue Bleibe suchen. In der einst gemischten Stadt leben Schiiten und Sunniten heute weitgehend getrennt, Familien wurden zerrissen, soziale Bande gekappt. Doch immerhin müssen die Bewohner der irakischen Hauptstadt heute nicht mehr gleich um ihr Leben fürchten, wenn sie die Straßen betreten. Gering blieben indes die politischen Erfolge der neuen Strategie. Denn die herrschende Klasse im Irak tut sich schwer, eine gemeinsame Linie für das Land zu finden.

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