USA griffen erneut Ziele in Kabul und Kandahar an
Nordallianz: Erste Phase des Krieges ist vorbei

Die USA haben nach zehntägigen Luftangriffen erstmals ein Flugzeug für den Bodenkampf in Afghanistan eingesetzt. Dabei handelte es sich um eine Turboprop-Maschine des Typs AC-130, die in niedriger Flughöhe zur mobilen Unterstützung von kleinen Spezialeinheiten eingesetzt wird, wie ein hoher Regierungsbeamter im US-Verteidigungsministerium am Montagabend mitteilte.

ap KABUL. Nach Angaben der afghanischen Opposition ist dadurch die erste Phase des Kampfes gegen die in Afghanistan regierende Taliban vorbei. Die Nordallianz und die USA würden künftige Schläge gegen die Taliban absprechen, sagte der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, am Dienstag in Chodsch Bahauuddin in Afghanistan. Gefragt nach der Bedeutung des Einsatzes der langsameren US-Flugzeuge vom Typ AC-130, sagte der Taliban-Vertreter: "Militärisch bedeutet dies, dass die erste Phase des Krieges gegen die Terrorgruppen in Afghanistan vorüber ist." Der Einsatz zeige, dass die militärischen Kapazitäten der Taliban substanziell geschwächt worden seien.

13 Zivilisten angeblich getötet

Den Angaben des Regierungsbeamten zufolge griff die Maschine Ziele in Kandahar an. In der südafghanischen Stadt liegt das Hauptquartier der Taliban. Bei den Angriffen wurden nach Angaben eines Sprechers des Taliban-Informationsministeriums 13 Zivilisten getötet. Eine unabhängige Bestätigung für die Zahl gab es nicht. In der afghanischen Hauptstadt Kabul bombardierten zwei Kampfflugzeuge am Dienstagmorgen Ziele in einem nördlichen Stadtteil. Die eine Million Einwohner zählende Hauptstadt war am Montag den bislang schwersten Angriffen seit Beginn des Krieges am 7. Oktober ausgesetzt. Die Angriffe richteten sich offenbar vor allem gegen Waffen- und Munitionslager in den Bergen am Nordrand von Kabul. Eine Bombe explodierte in der Nähe eines Lagers des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, wie UN-Sprecher Khaled Mansour in Pakistan mitteilte. Dabei wurde ein afghanischer Mitarbeiter leicht verletzt.

In Washington erklärte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, künftige Luftangriffe könnten sich auch gegen Frontstellungen der Taliban im Bürgerkrieg gegen die Nordallianz des gestürzten Präsidenten Burhanuddin Rabbani richten. Die Nordallianz meldete am Dienstag Geländegewinne in Richtung von Masar-i-Scharif, der größten Stadt im Norden des Landes. Ein Vertreter der Nordallianz in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe sagte, Truppen der Allianz seien bis auf sieben Kilometer an Masar-i-Scharif herangerückt. Die Taliban hatten die Stadt 1998 erobert. Die den Taliban nahe stehende Nachrichtenagentur AIP berichtete, bei Bombenangriffen in der Umgebung von Masar-i-Scharif am Dienstag seien zwei Menschen getötet worden.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld äußerte sich in Washington auch zu den Luftangriffen auf Ziele in der Umgebung des afghanischen Dorfes Karam in der vergangenen Woche. Diese richteten sich nach seinen Angaben gegen ein unterirdisches Munitionslager. Nach Darstellung der regionalen Taliban-Verwaltung kamen bei den Angriffen 200 Dorfbewohner ums Leben. Nach den Luftangriffen bei Karam seien die Offiziere überrascht gewesen, dass es dort zu gewaltigen Explosionen und einem vierstündigen Brand gekommen sei, erklärte der amerikanische Generalstabschef Richard Myers. Rumsfeld wies die Angaben der Taliban über eine große Zahl ziviler Todesopfer als Lügen zurück. Zugleich räumte er aber ein, dass unbeteiligte Bewohner bei den Angriffen verletzt oder getötet worden sein könnten. In einem Krieg gebe es keine Möglichkeit, dies zu vermeiden, sagte der Minister. Die US-Marine bestätigte am Montag, dass ein vierter Flugzeugträger, die "Theodore Roosevelt" in der Krisenregion eingetroffen ist.

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