USA haben Lufthoheit über Afghanistan erobert
Kampfjets greifen erneut Taliban-Hochburg an

Kampfflugzeuge haben am Mittwochmorgen den vierten Tag in Folge Ziele in Afghanistan angegriffen. Die Streitkräfte nahmen dabei vor allem die Taliban-Hochburg Kandahar ins Visier. Die Taliban bestätigten die neuerlichen Attacken. Die Militärschläge hätten gegen 5 Uhr MESZ begonnen, hieß es aus dem Büro von Taliban-Sprecher Abdul Hayee Motmaen.

ap/dpa/vwd KABUL. Wie aus Kreisen der regierenden Taliban verlautete, warfen Kampfflugzeuge drei Bomben in der Nähe des Flughafens von Kandahar ab. Die Kampfjets würden zum Teil in niedriger Höhe die Stadt überfliegen, berichetete der amerikanische Nachrichtensender CNN. Nach Angaben der radikalislamischen Miliz sind die Flugzeuge dabei in heftiges Luftabwehrfeuer geraten. Ein Sprecher des Taliban-"Außenministeriums", Nematulah, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, vier bis fünf US-Militärmaschinen seien über die südafghanische Stadt geflogen. Während des Telefonats war Angaben eines AFP-Reporters zufolge im Hintergrund Luftabwehrfeuer zu hören.

Trotz der Angriffe wurde die Lage in der Stadt von den Taliban als "ruhig" beschrieben. Es habe keine Fluchtbewegung unter den Bewohnern eingesetzt. Der in Kandahar vermutete Taliban- Anführer Mullah Mohammed Omar überstand die Angriffe nach Angaben seines Sprechers unbeschadet. "Ihm geht es gut. Er ist nicht verletzt", zitierte die afghanische Nachrichtenagentur AIP den Sprecher.

In der Nacht zum Mittwoch fünf Provinzen im Visier der USA

Zuvor hatten die USA im Laufe der Nacht zum Mittwoch bereits weitere Angriffe geflogen. Nach Angaben eines Taliban-Sprechers hatten sie mindestens fünf afghanische Provinzen im Visier. In der Nacht zu Mittwoch seien Kandahar im Süden des Landes, Dschalalabad und Logar im Osten, das westliche Herat sowie der Sektor Schomali, der zu Kabul gehört, angegriffen worden, sagte ein Taliban-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. In einem Dorf in der Nähe des Flughafens von Kabul sei eine Rakete eingeschlagen, in Schomali seien Wohngebiete getroffen worden. Den Angaben zufolge zielten die US-Flugzeuge in Dschalalabad auf eine Militärbasis. Bei den Angriffen habe es Opfer gegeben, sagte der Sprecher. Genaue Angaben machte er jedoch nicht.

Bei neuen Gefechten im Distrikt Tulak in der westlichen Provinz Ghor schlugen die Taliban nach eigenen Angaben die bewaffnete Nordallianz zurück. Bei der Offensive seien 35 bis 40 Kämpfer der oppositionellen Kräfte getötet worden, meldete die Taliban-Nachrichtenagentur Bachtar am Mittwoch. Die Taliban kontrollieren demnach das Gebiet nun vollständig, die Lage sei ruhig.

Keine Meldungen über Opfer



Über mögliche Opfer der Militärschläge in der Nacht zum Mittwoch wurde zunächst nichts bekannt. Am Dienstag waren in Kabul - offenbar durch einen fehlgeleiteten US-Marschflugkörper - vier Männer getötet worden, die das Haus eine UN-finanzierten Hilfsorganisationen bewachten.

Die Region um den Flughafen von Kandahar war seit der ersten Angriffswelle am Sonntag bereits mehrfach Ziel der Luftschläge. In der Gegend sollen sich Unterkünfte von mindestens 300 Anhängern des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden und Luftabwehrstellungen befinden. Ein Sprecher der oppositionellen Nordallianz erklärte am Mittwoch, amerikanische Kampfflugzeuge hätten am Dienstagabend außerdem Stellungen der Taliban in Schakardara bombardiert, einem Bezirk etwa 25 Kilometer nördlich von Kabul.

Bush: "Der Himmel ist jetzt frei"

Die USA hatten am Dienstag erstmals Ziele in Afghanistan bei Tageslicht angegriffen. Dies sei ein Zeichen dafür, dass man die Kampfjets für ausreichend sicher vor der afghanischen Flugabwehr halte, sagte ein Pentagon-Sprecher am Dienstag. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Washington erlangten die US-Streitkräfte durch die seit Sonntagabend andauernden Angriffe in Afghanistan Lufthoheit. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld hatte erklärt, die Flugabwehr der Taliban sei so stark beschädigt, dass jetzt Luftangriffe "rund um die Uhr" möglich seien. "Der Himmel ist jetzt frei", sagte US-Präsident George W. Bush. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderte die afghanischen Dissidenten auf, das Terrornetzwerk El Kaida und die Taliban aus dem Land zu vertreiben.

In London hieß es, die Luftangriffe hätten den Lagern der Terroristen sowie Stellungen der Taliban "erheblichen Schaden" zugefügt. Die genauen Ziele der jüngsten US-Angriffe gab das Pentagon nicht bekannt. Am Dienstag wurde erneut die Residenz des Taliban-Führers, Mullah Mohammed Omar, in Kandahar angegriffen, wie aus Kreisen der Miliz verlautete. Weiter hieß es, Omar habe ranghohen Taliban-Kommandeuren mitgeteilt, er sei am Leben und halte weiter den Oberbefehl inne. Außerdem erklärten die Taliban, Osama bin Laden sei wohlauf und befinde sich nach wie vor in Afghanistan.

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