USA hofft auf eine weitere Erosion im Lager des Gegners
Stammesführer wollen Taliban-Kämpfer zum Seitenwechsel bewegen

Angesichts des härter werdenden Kampfes gegen die Antiterror-Allianz wird in dem noch in Taliban-Hand befindlichen Teil Afghanistans um die Loyalität der Krieger gerungen. Während sich die islamistische Miliz und die mit ihr verbündeten Anhänger von Osama bin Ladens El-Kaida-Bewegung zum Kampf bis in den Tod rüsten, suchen die verschiedenen Stammesführer im paschtunischen Süden, deren Kämpfer zum Seitenwechsel zu bewegen. Unterdessen erschwert die Uneinigkeit der Stämme die Bemühungen um eine Friedenslösung für das kriegsmüde Land.

ap KABUL. Bedrängt von unablässigen US-Luftangriffen und verfolgt von den Einheiten der Nordallianz versucht die Taliban-Führung, ihre erodierende Macht zumindest in den Gebieten zu konsolidieren, die sie noch beherrscht. Doch mit dem Fortschreiten der Antiterror-Offensive nehmen die Bemühungen der Stammesführer zu, die zunehmend demoralisierten Gotteskrieger zu beerben und ihre alten Machtpositionen wieder einzunehmen.

Der Taliban-Führer Mohammed Omar, der vor wenigen Tagen einen Bombenangriff auf sein Hauptquartier in Kandahar überlebte, rief seine Anhänger zu erbittertem Widerstand auf. Dabei zeigte er sich unbeeindruckt von der wachsenden Anzahl amerikanischer und anderer westlicher Truppen, die an der Seite der Nordallianz kämpfen oder als Berater tätig sind. "Wir sind bereit, uns diesen Amerikanern zum Kampf zu stellen. Wir sind glücklich, dass sie gelandet sind und wir werden ihnen eine Lektion erteilen", zitierte ein Taliban-Kommandeur Mullah Omar.

Trotz dieser zur Schau getragenen Unnachgiebigkeit macht den Taliban offenbar die Abwerbetätigkeit der Stammesführer zu schaffen. Dem Wechseln von Loyalitäten, das in vielen Ländern der Welt als Fahnenflucht geächtet ist, haftet dabei in Afghanistan kein moralischer Hautgout an. In einem derart von Stammesdenken geprägten Land ist das Überlaufen von einer Seite auf die andere fast normal.

Über die Verfassung im Lager der Extremisten ist wenig und nur Unsicheres bekannt. Gerüchte wollen zwar von einer zunehmenden Demoralisierung in den Reihen von Taliban und El Kaida wissen, doch ist noch völlig unklar, wie viele Taliban-Kämpfer bisher zur anderen Seite gewechselt haben. Dazu kommt, dass alle Bemühungen, bin Laden und den Taliban den Boden zu entziehen, von den tiefsitzenden Rivalitäten der einzelnen Stämme untereinander erschwert werden. So sollen die Verhandlungen um eine Räumung des wichtigen Grenzortes Spinboldak durch die Taliban daran gescheitert sein, dass zwei Stämme, die Aschaksai und die Nursai, beide die Herrschaft über die Stadt an der Straße zwischen Kandahar und Quetta beanspruchen.

Trotz dieser Hemmnisse hoffen die USA auf eine weitere Erosion im Lager des Gegners durch dessen hohe Verluste. So sollen nach Schätzungen des Pentagons über ein halbes Dutzend hoch gestellter Führer und Hunderte von Kämpfern der Taliban und Bin Ladens gefallen sein.

Umstände der Gefangenenrevolte noch im Dunkeln

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llein bei der Gefangenenrevolte in einer Festung bei Masar-i-Scharif im Norden sollen vor einigen Tagen rund 500 Taliban und Bin-Laden-Kämpfer ums Leben gekommen sein. Die Umstände dieses Massakers liegen noch weitgehend im Dunkeln. Soldaten der Nordallianz sollen unbestätigten Meldungen zufolge toten Gefangenen die Fesseln abgeschnitten haben, bevor sie sie dem Roten Kreuz übergaben, was nahe legt, dass sie gar nicht im Kampf gefallen sein können. Trotzdem besteht Nordallianz-Kommandeur Raschid Dostum darauf, dass seine Leute die Gefangenen human behandelt hätten, bevor der Aufstand begann. Amnesty International hat eine Untersuchung beantragt.

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