USA machen weiter Druck
Der "große" bin Laden: Frauenkleider als Tarnung sind tabu

Osama Bin Laden, der weltweit meist gejagte Terrorist, hat ein Sicherheitsproblem. Nicht nur, dass die USA auf seine Ergreifung ein "Kopfgeld" von 25 Millionen Dollar ausgesetzt haben. Nicht nur, dass ihm durch die rapide Entwicklung in Afghanistan mit dem fortgesetzten Rückzug des Taliban-Regimes sein natürliches "Schutzschild" immer mehr fehlt. Nein, Osama Bin Ladens größtes Problem ist seine Größe: Der aus Saudi-Arabien stammende Multi-Millionär misst fast stolze 1,90 Meter.

ddp WASHINGTON. "Bin Laden ist nun mal größer als die meisten Menschen auf der Welt, und das wird ihn in einer normalen Menschenmenge immer wieder verraten", kreist John Luttwak vom Center for Strategic International Studies in Washington das Problem ein. "Durch den Rückzug der Taliban ist er in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Er kann sich in Höhlen verstecken. Er kann versuchen, in Menschenmengen unterzutauchen und zu flüchten." Aber das Schlimmste für ihn als Bartträger bei seiner Größe sei: "Bin Laden kann sich nicht verschleiern und als Frau verkleiden», sagt Luttwak.

Pragmatische Denkweise gepaart mit einem Hauch von Ironie des Schicksals? Auf jeden Fall spiegelt die durchaus ernst gemeinte Diskussion von Experten über Bin Laden den Wandel der vergangenen Tage wieder. Nach den militärischen Erfolgen durch das fortdauernde Bombardement und das Vorrücken der Rebellen nach Süden, hat sich das politische Washington jetzt auch wieder öffentlich auf die Ergreifung Bin Ladens und die Zerschlagung seines terroristischen Netzwerkes El-Kaida eingeschossen.

Die USA begrüßten die dynamische Entwicklung in Afghanistan mit dem Rückzug der Taliban aus der Hauptstadt Kabul und dem Verlust weiterer Schlüsselstädte wie Dschalalabad, sagt Verteidigungsminister Richard Cheney. "Aber es ist falsch zu glauben, dass dies das Ende ist". Al-Qaida sei ein globales Netzwerk und habe überall auf der Welt seine Bastionen. "Dies ist letztlich nur ein sehr guter Anfang (einer Kampagne), die wahrscheinlich sehr lange dauern und einen großen Einsatz fordern wird."

Nach der unplanmäßigen Einnahme Kabuls durch die Nordallianz - keiner hatte mit einem so schnellen Rückzug der Taliban gerechnet - sind die USA zunächst einmal dringend gefordert, zwischen gegensätzlichen Machtinteressen ihrer wichtigsten Verbündeten Pakistan und den oppositionellen Rebellen vorsichtig zu vermitteln. Vorrangiges Ziel muss sein, "die siegreiche Nordallianz im Zaum zu halten und keine Grausamkeiten und damit einen Rückfall in die Anarchie zuzulassen", sagt Ex-Marine-Corps-General Richard Neal.

Erste Berichte über Vergeltungsmaßnahmen nach dem Fall Masar-i-Scharifs im Norden und dann Kabuls riefen ein nervöses Islamabad sofort auf den Plan. "Die USA müssen jetzt Druck auf die Nordallianz ausüben, dass sie die Macht (in einer Übergangsregierung) teilen", sagt der pakistanische Terrorismusexperte Mansoor Ijaz. "Der Nordallianz muss klar gemacht werden, dass sie einige militärische Kontrolle, aber nicht die politische Macht über ganz Afghanistan haben."

Angesichts der delikaten Lage - hatte doch Washington im Tandem mit Islamabad ursprünglich vor einem militärischen Einrücken der Nordallianz in Kabul gewarnt, war aber von der schnellen Entwicklung am Boden überrollt worden - entsandten die USA sofort mit James Dobbins ihren speziellen Beauftragten für die Oppositionsgruppen in Afghanistan zu Verhandlungen mit allen Splittergruppen in die Region. Zusammen mit seinem UNO-Kollegen Lakdhar Bramini soll er Friedensbemühungen voran treiben.

Um ein Blutbad zwischen verfeindeten Gruppen zu vermeiden, hat das Weiße Haus die Nordallianz wiederholt aufgerufen, die Menschenrechte einzuhalten und für Recht und Ordnung zu sorgen. Als Vorsichtsmaßnahme hat Washington auch eigene kleinere Spezialeinheiten zu Überwachungszwecken entsandt. "Wir drängen die Nordallianz im Moment aber nicht, Kabul wieder zu verlassen", gibt ein Regierungsbeamter die derzeitige Stimmung wieder. "Wenn sie abrücken, wäre keiner mehr da - außer sehr vielen Männern mit Gewehren."

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